Kein Auftritt ohne Gleichbehandlung von Sängerin im Rollstuhl

Nachdem 2006 ein Unfall Kerstin Grelbig (53) in den Rollstuhl zwang, hat die Haselhorsterin ihre Liebe zur Musik entdeckt. (Foto: Uhde)

Staaken. Gern sieht sich der Bezirk als "Vorreiter in Sachen Inklusion". Das Beispiel der für Rollstuhlfahrer unzugänglichen Bühne im Kulturzentrum "Gemischtes" an der Sandstraße 41 zeigt jedoch, dass es noch einiger Anstrengungen bedarf, um das von der Bundesrepublik 2009 ratifizierte Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) umzusetzen.

Noch ist die Bühne des vom Träger Gemeinwesenverein Heerstraße Nord betriebenen und öffentlich geförderten Kulturzentrums nicht barrierefrei. Dabei hat man sich dort auf die Fahne geschrieben, "allen im Stadtteil lebenden Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen auszutauschen, die Gemeinsamkeiten zu entdecken und sich mit den Unterschieden vertraut zu machen". Dass dies nicht möglich ist, musste der 2012 in der Musikschule gegründete Chor "Spandau Voices" im November 2014 erfahren.

Im Chor singt auch Kerstin Grelbig. Die 53-Jährige ist seit 2006 nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen. Doch ohne Rampe war es ihr unmöglich, auf die Bühne des Kulturzentrums zu gelangen. Die 25 Chormitglieder legten zusammen und kauften eine mobile Rampe. "Zwar war man im Kulturzentrum nicht von der Sicherheit unserer Rampe überzeugt, ließ es dann aber doch einmalig zu, dass ich mit Hilfe dieser Rampe auf die Bühne gelangte", erinnert sich Frau Grelbig.

"Das Kulturzentrum versprach unserem Chor dann, dass im Jahr 2015 eine Rampe zur Verfügung stehen sollte", sagt die 53-Jährige. Doch als nun für Herbst 2015 ein erneuter Auftritt der "Spandau Voices" vereinbart werden sollte, heiß es, dass es wieder keine Rampe geben werde. "Als uns vorgeschlagen wurde, dass der Chor vor der Bühne auftreten sollte, da ich mit meinem Rollstuhl nicht auf die Bühne könne, hat der Chor gemeinsam entschieden, den Auftritt abzusagen", sagt Frau Grelbig.

"Ich hatte nach dem Auftritt des Chors 2014 tatsächlich signalisiert, dass wir die Anschaffung einer professionelle Bühnenrampe beabsichtigen", sagt Petra Sperling, in der Geschäftsführung des Gemeinwesenvereins Heerstraße Nord zuständig für die Planung sozialpolitischer Veranstaltungen. Leider lasse es die desolate finanzielle Situation des auch auf Spenden angewiesenen Kulturzentrums aber den Kauf einer teuren, professionellen Bühnenrampe erneut nicht zu. "Allein um die laufenden Kosten des Hauses zu tragen, fehlen uns für 2015 noch 35 000 Euro", so Sperling. Sie bedaure das, denn sie könne "das Anliegen der Sängerin absolut verstehen".

Das Kulturzentrum habe daher dem Chor vorgeschlagen, dass er mit allen Musikern vor der Bühne auftreten würde. "Die Tatsache, dass der gesamte Chor dies meinetwegen ablehnt, gibt mir ein Gefühl der Unterstützung", sagt Kerstin Grelbig. Dies bestätige sie in der Ansicht, dass der Chor immer für sie eintrete.


Michael Uhde / Ud
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