Stadtjäger sieht in diesem Jahr "hohen Wilddruck"

Staaken. Bewohner von Grundstücken am südlichen Weißenstadter Ring sind wenig begeistert von ungebetenen Gästen, die nachts ihr Gärten heimsuchen. So gleicht derzeit etwa der Garten des Hauses am Weißenstadter Ring 41e einem umgepflügten Acker. Vom gepflegten Rasen ist kaum noch etwas zu erahnen.

Die Spuren sind eindeutig. Die nächtlichen "Besucher" sind Wildschweine. Sie dringen auf Futtersuche vom "Wiesenbecken" aus auf die Grundstücke vor. Die grenzen nördlich an die Grünfläche des Bullengrabens an, zu dem auch das so genannte "Wiesenbecken" gehört. Dort stehen mehrere Eichenbäume, die die Wildschweine offenbar als Futterquelle anlocken. Und diese weiten ihre Besuche gern auf die angrenzenden Gärten aus.

"Diese Eichenbäume südlich des Weißenstädter Ringes waren schon häufiger ein Ärgernis", sagt Bauamtsreferentin Simone Maier. Bislang sei es dabei allerdings um den unerwünschten Schattenwurf auf die nördlich angrenzenden Grundstücke gegangen. Die Eichen würden aber auch wegen der Wildschweine nicht gefällt. Denn meist seien die Hauptursache für den Besuch der Wildschweine illegal entsorgte Grünabfalle. Zu Kompost abgebaut, würden diese zur Heimstätte für Engerlinge. Und die seien eine Köstlichkeit für die Schwarzkittel.

"Belästigungen durch Wildschweine können nur durch die von der obersten Forstverwaltung zugelassenen Stadtjäger eingedämmt werden", sagt Simone Maier. Nur sie dürften in "Nichtjagdgebieten" jagen. In Spandau ist dafür etwa Stadtjäger Jochen H. zuständig. Ihm ist das Problem mit den Wildschweinen am Bullengraben bekannt. "Allerdings tritt dieses Problem in diesem Jahr überall in Spandau gehäuft auf", sagt der Jäger. Da der Winter nahezu ausgefallen sei, habe es kaum natürlichen Verluste beim Schwarzwild gegeben, Hinzu komme, dass die Eichen viel Früchte tragen. "Diese Nahrungsquelle wird bei den Wildschweinen sofort in Nachwuchs umgesetzt", sagt er. Die Schwarzwildpopulation könne sich so mehr als verdreifachen.

"Den Bullengraben lieben die Wildschweine besonders wegen der Möglichkeiten zum Suhlen", sagt der Jäger. Die indirekten Fütterungen der Gartenfreunde und die dortigen Obstbäume verstärkten dies noch. Anrainer sollten ihre Grundstücke zudem vor dem Eindringen der Sauen mit mindestens 1,30 Meter hohen, im Boden verankerten Zäunen sichern.

Eine Jagd auf das Schwarzwild im Sommer hält der Jäger im Bereich Bullengraben durch die dort vorhandene Deckung für die Tiere für schwierig. Dennoch hätten die Stadtjäger in Spandau in den vergangenen Monaten reichlich Wildschweine erlegen können. Das werde sich im Herbst nach dem Laubfall und besonders im Winter noch erheblich steigern.

Weitere Informationen zum Umgang mit dem Wild gibt es auf der Internetseite des Senats www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/wildtiere/de/wildschwein.shtml.

Michael Uhde / Ud
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