Industriekletterer sicherten Spitze in 60 Meter Höhe

An der Kirchturmspitze haben die Industriekletterer mehrere Eimer loser Ziegel entfernt, um dann die Risse verfugen zu können. (Foto: K. Menge)

Steglitz. Am Donnerstag, 21. August, sorgten zwei Männer in luftiger Höhe für Aufsehen. Die beiden Industriekletterer mussten in einer spektakulären Sicherungsmaßnahme in über 60 Meter Höhe an der Turmspitze der Matthäuskirche lose Ziegel entfernen.

Die 1880 eingeweihte und damit älteste neogotische Kirche Berlins ist in die Jahre gekommen und der 64 Meter hohe Kirchturm nahe des Rathauses Steglitz sanierungsbedürftig. Das war bekannt. Doch dass das vollständig gemauerte Bauwerk zu einer Gefahr werden könnte, ist erst jetzt festgestellt worden. Eine Woche vor dem Klettereinsatz entdeckte der Architekt bei einer Bestandsaufnahme, dass sich zu einem senkrechten Riss etwa zwei Meter unterhalb des Turmkreuzes ein weiterer waagerechter Riss rund um die Turmspitze gebildet hat.

"Ein Absturz des Turmkreuzes war nicht auszuschließen", sagt Helmut Bohr, Architekt des Kirchenkreises Steglitz. Er war mit Fachleuten in der Kabine des 70 Meter hohen Krans unterwegs, um sich die Sache aus der Nähe anzusehen. Im schlimmsten Fall hätte das Kreuz das Kirchendach und die Orgel darunter zerstört, erläutert Bohr. Mit sofortiger Wirkung wurden daher Glockengeläut und eine weitere Nutzung der Kirche untersagt sowie das Gelände um die Kirche herum gesperrt.

Neuere Untersuchungen aus dem Inneren des Kirchturms zeigen nun, dass die Turmspitze von einer in den 70er-Jahren vorgenommenen Sicherung gehalten wird. So muss nicht die Turmhaube abgenommen, sondern lediglich lose Ziegel außen entfernt und die Risse verfugt werden.

Schon seit Längerem bereitet sich die Matthäus-Kirchengemeinde auf die anstehende, kostspielige Sanierung ihres Kirchturms vor. Erst kürzlich versammelte sich die Gemeinde spontan zu einer Open-Air-Andacht und brachte eine beträchtliche Kollekte für diesen Zweck zusammen. Die Matthäus-Kirche ist eine der größten Kirchen in Südberlin. Sie bietet Raum für mehr als eintausend Menschen. Drei außergewöhnliche Glaskünstler haben im Lauf der Jahrzehnte an ihrer Gestaltung mitgewirkt. In den 1920er-Jahren entwarf der Architekt Otto Rudolf Salvisberg das Gemeindehaus und fügte dieses mit dem bereits bestehenden Park und der zentral liegenden Kirche zu einem Ensemble zusammen.

Im Frühjahr 2015 wird der gesamte Kirchturm eingerüstet, um die Turmspitze neu aufmauern zu können. Vorher muss das Sanierungskonzept mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Die Kosten der Sanierung werden derzeit auf etwa 500 000 Euro geschätzt - zu viel für eine einzelne Kirchengemeinde. Die Matthäus-Gemeinde ist daher auf Spenden angewiesen.


Karla Menge / KM
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