Unterrichtsausfall liegt bei nur 2,1 Prozent / Kritik an der Statistik

Die Schulen im Bezirk schaffen es auch bei hohem Krankenstand der Lehrer, die Stundenpläne zu erfüllen. (Foto: hari)

Steglitz-Zehlendorf. Der Unterrichtsausfall an den Schulen scheint im Bezirk kein großes Thema mehr zu sein. Es gibt keine Beschwerden.

"Steglitz-Zehlendorf gehört zu den privilegierten Bezirken, in dem Lehrer gern arbeiten möchten. Vor allem die Gymnasien sind nachgefragt", erklärt Rainer Leppin, Schulleiter der Fichtenberg-Oberschule. Deshalb verfügten die Schulen über ausreichend Lehrpersonal. Dazu trage auch bei, dass die Schulen in Berlin über ein eigenes Budget Vertretungslehrer akquirieren können. Diese neue Vertretungsregelung habe den Unterrichtsausfall deutlich gemindert.

Die Senatsbildungsverwaltung lobt das Engagement an den Schulen. "Die einzelnen Schulleitungen haben bewiesen, dass sie beim Umgang mit Vertretungssituationen effektiv reagieren und durch die direkten Handlungsspielräume den Ausfall auf niedrigem Niveau halten", erklärt Sprecherin Beate Stoffers. "Die Vertretungsquote lag im vergangenen Schuljahr über 80 Prozent. Demnach konnten für vier Fünftel aller Vertretungsstunden die Schulen eine Vertretung organisieren." Laut Statistik lag der Unterrichtsausfall des vergangenen Schuljahres bei 2,1 Prozent aller zu erteilenden Unterrichtsstunden.

Birgit Unteutsch, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses (BEA), ist diese Statistik nur die halbe Wahrheit. "Eltern erleben mehr Unterrichtsausfall als in der Statistik erfasst wird."

Unterrichtsstunden, die nicht fachgerecht vertreten werden, werden in der Statistik nicht aufgeführt. "Wenn die Klasse beschäftigt wird und ein Lehrer vom Klassenraum nebenan die Schüler mitbetreut, ist das keine Vertretung. Oder wenn in Grundschulen die Erzieher eine Klasse übernehmen, taucht das in der Statistik nicht auf", erläutert die BEA-Vorsitzende.

Mit qualifiziertem Unterricht hätte das jedoch nichts zu tun. Der BEA fordere schon lange, die Kriterien zu überarbeiten, um ungeschönte Zahlen zu erhalten.

Viele Schulen handeln während der Prüfungszeit eigenverantwortlich und verhindern, dass Klassen tageweise nach Hause geschickt werden. Derzeit finden an den weiterführenden Schulen die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss und die Abiturprüfungen statt. Darunter leidet der Unterricht an anderen Klassen. "Es gibt Schulen, die haben Ideen, wie diese Tage sinnvoll für die Schüler ausgefüllt werden können. An der Montessori-Schule wird die Zeit über Projekt-Arbeit überbrückt. Das klappt aber nur an Schulen mit Sozialstationen ganz gut, denn hier übernehmen die Schulsozialarbeiter die Betreuung", sagt Birgit Unteutsch.


Karla Menge / KM
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