35 000 Maulbeerbäume standen an der Filandastraße

Der stattliche Weiße Maulbeerbaum auf dem Althoffplatz ist etwa 160 Jahre alt und seit 1961 ein Naturdenkmal. (Foto: K. Menge)

Steglitz-Zehlendorf. Das im Südwesten Berlins Seide produziert wurde, weiß heute kaum jemand. Noch heute gibt es Relikte aus dieser Zeit. Auf dem Althoffplatz steht ein 160 Jahre alter Maulbeerbaum. In Zehlendorf beeindrucken an der Dorfkirche drei 200 Jahre alte Bäume mit ihrem mächtigen Stammumfang von drei bis vier Metern.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg förderte zunächst der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) den großflächigen Anbau von Weißen Maulbeerbäumen, die für die Seidenproduktion unerlässlich waren. Denn um Rohseide zu produzieren, muss man die Raupen des Seidenspinners fleißig mit den Blättern dieses Baumes füttern. Etwas anderes wird von den Raupen des asiatischen Schmetterlings nicht akzeptiert. Friedrich der Große (1712-1786) intensivierte schließlich die Seidenproduktion in Preußen systematisch, in dem er zum Beispiel junge Maulbeerbäume und Raupeneier des Seidenspinners kostenlos verteilte. Finanzielle Starthilfen, Schulungsmaßnahmen und Prämien boten entsprechende Anreize, die wertvolle Rohseide herzustellen. Vor allem Bauern, Lehrer und Küster sollten motiviert werden, im Nebenerwerb Seidenraupen züchten. So entstanden damals in und um Berlin viele kleine Planatagen aus Maulbeerbäumen. Kirchhöfe und Dorfplätze wurden mit ihnen bepflanzt.

In Zehlendorf machte der Dorfschullehrer Ferdinand Schäde (1772-1861) den Anfang. Als er 1793 am Standort des heutigen Zehlendorfer Heimatmuseums den Schuldienst antrat,, nahm er auch die Seidenraupenzucht auf, um sein karges Lehrergehalt aufzubessern.

15 Maulbeerbäume standen auf dem benachbarten Dorfkirchhof. Heute zeugen noch drei knorrige, mit Stelzen abgestützte Bäume an der Friedhofsmauer zur Potsdamer Straße davon. Die drei Riesen sind über 200 Jahre alt und sind seit 1940 als Naturdenkmale ausgewiesen.

Dass es Steglitz zum bedeutendsten Seidenbauzentrum in Deutschland schaffte, ist Johann Adolph Heese (1783-1862) zu verdanken. 1840 ließ der königliche Hoflieferant und Seidenfabrikant an der Schloßstraße Ecke Grunewaldstraße Maulbeerbäume anpflanzen. Bis 1845 legte er auf dem Areal zwischen der heutigen Heese-, Berg-, Filanda- und Südendestraße eine riesige Plantage mit 35 000 Bäumen an. Die Anlage bildete eine komplette Filanda. Die Filandastraße erinnert noch heute an die Kokon-Haspelei und Zwirnerei.

Ein Relikt der Maulbeerbaumplantage steht auf dem Althoffplatz. Der etwa 160 Jahre alte Weiße Maulbeerbaum ist seit 1961 als Naturdenkmal geschützt.

Die erfolgreiche Produktion endete 1861 als eine Seuche die empfindlichen Seidenraupen dahin raffte. Für große Verluste unter den frostempfindlichen Maulbeerbäumen sorgten zudem strenge Winter.


Karla Menge / KM
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