Außergewöhnliches Tanz-Projekt wirbt um Unterstützung

Profi-Tänzer und Parkinson-Erkrankte nähern sich in einem ungewöhnlichen Kunst-Projekt tänzerisch an. Foto: K. Menge

Steglitz. Den Tremor in seiner linken Hand ist kaum zu verbergen. Doch das will Michael auch gar nicht. Ganz selbstbewusst setzt er das Zittern seiner Hand in seine Tanz-Choreografie ein. Michael ist einer von acht Tänzern mit Parkinson Erkrankung, die an der Produktion "personal landscapes" teilnehmen.

"Mach die Bewegung größer, trau dich!", fordert Choreografin Nadja Raszewski die Tanzenden auf. Im Tanzstudio der Tanz-Tangente bewegen sich 16 Tänzer, gehen aufeinander zu, berühren sich. Es ist eine tänzerische Entdeckungsreise, auf das sich acht junge Tänzer der Tangente-Company und acht mutige Tänzer mit Parkinson begeben haben. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse teilen Company- und Parkinson-Tänzer auch mit Humor. Michael mit dem starken Tremor fand, dass in diesem Projekt das für die Krankheit typische Zittern durchaus Bestandteil der Choreografie sein soll. "Wollt ihr nicht auch mit den Händen zittern, damit Herr Parkinson ein bisschen mittanzt?", forderte er die jungen Tänzer zu Beginn des Projektes auf.

"Personal landscapes" ist ein ungewöhnliches Tanz-Kunstprojekt. In kleinen Choreografien erzählen die Tänzer über die alltäglichen Herausforderungen, die Sehnsucht nach Berührung, das Akzeptieren des Unabänderlichen und das Staunen darüber, was noch möglich ist. Schnell haben die Profi-Tänzer und Parkinson-Tänzer Zugang zueinander gefunden und die anfänglichen Hemmungen überwunden.

So hat die gemeinsame Arbeit bei allen Parkinson-Tänzern das Selbstbewusstsein gesteigert. Sie traue sich mehr und sei viel freier geworden, sagt Renate. Die 75-Jährige weiß seit zwei Jahren, dass sie an Parkinson erkrankt ist. Wie viele Parkinson-Kranke hatte sie sich zurückgezogen.

Das Tanzen hätte ihr geholfen, offener mit der Krankheit umzugehen. Die acht Tänzer mit Parkinson Erkrankung haben schon vor dem Start des Projektes im September getanzt. Seit einem Jahr gibt es in der Tanz-Tangente einen Kurs "Parkinson Tanz".

Die Idee dazu hat Leanore Ickstadt, Tänzerin und Gründerin der Tanz-Tangente, aus New York mitgebracht. Die Initiative "Dance for Parkinson" wurde dort vor über zehn Jahren gegründet. Die Kombination war damals unvorstellbar. Auch heute fristet das Angebot ein Nischendasein.

Obwohl die positiven Nebenwirkungen des Tanzens im Hinblick auf die Bewegung und Koordination teilweise wissenschaftlich dokumentiert sind, gibt es in Deutschland nur vier Parkinson-Tanzgruppen. Das Projekt "personal landscapes" soll auch für eine größere öffentliche Aufmerksamkeit sorgen und somit mögliche Unterstützer für die Weiterentwicklung dieses besonderen Angebotes gewinnen.

Am 5. und 6. Oktober wird das Tanz-Kunstprojekt um jeweils 19 Uhr in den Räumlichkeiten der Tanz-Tangente in Steglitz, Ahornstraße 24, aufgeführt. Nur mit Anmeldung unter 43 77 78 64 oder 0176-38 67 11 22. Weiter Informationen auf www.tanztangente.de.

Karla Menge / KM
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