Jahrestag des Tunnelraubs: Opfer wollen Entschädigung

Steglitz. Der genetische Fingerabdruck von einem der Täter ist nahezu alles, was die Polizei bisher vorzuweisen hat. Auch ein Jahr nach dem Tunnelraub in einer Steglitzer Volksbank-Filiale tappen die Ermittler weiter im Dunkeln. Derweil demonstrieren die geschädigten Bankkunden am 14. Januar vor dem Geldinstitut.

Rund 100 Personen erwarten die Veranstalter vor der Geschäftsstelle in der Schloßstraße 46. Zur Demonstration hat die "Interessengemeinschaft Tunnelraub" (IG Tunnelraub) aufgerufen. In ihr haben sich knapp die Hälfte der 294 Geschädigten zusammengeschlossen. Sie will erreichen, dass die Volksbank die Betroffenen "möglichst komplett" entschädigt. "Die Chancen stehen gut, weil die Bank große Fahrlässigkeiten begangen hat", sagt Roland Sieben, Sprecher der IG Tunnelraub. Das Geldhaus habe beispielsweise keine Versicherung für ihren Tresorraum.

Schon im Vorfeld der Demo hat das Geldinstitut in einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe reagiert. "Die Aussagen der Interessengemeinschaft sind objektiv falsch", sagt Unternehmenssprecherin Nancy Mönch. Die Volksbank wehrt sich unter anderem gegen Vorwürfe, man habe nur einen Bruchteil der Fundstücke - die Räuber ließen Wertgegenstände zurück - an die Bankkunden zurück gegeben oder die verbliebenen Wertsachen nicht umfassend in einem Fotokatalog zur Einsicht vorgelegt. Auch sei die Behauptung falsch, die baulichen und technischen Sicherungsmaßnahmen für die Verwahrung von Millionenbeträgen seien nicht ausreichend vorhanden gewesen.

"Alles unrichtig", kontert Roland Sieben. Die überwiegende Zahl der aufgefundenen Gegenstände sei nicht zurück gegeben worden. 1480 Positionen, die Hälfte der nach dem Raub aufgefundenen Wertgegenstände, befänden sich noch bei der Bank. Er selbst habe nie einen Fotokatalog, etwa mit Münzen oder kleinen Goldbarren, zu Gesicht bekommen, sagt Roland Sieben, die ihm neben Schmuck aus dem Safe gestohlen worden seien.

Die IG schlägt vor, die Wertgegenstände als Fundstücke versteigern zu lassen, und den Erlös anteilig an die Geschädigten auszuzahlen. Nach der Demo will die IG "erst einmal sehen, ob und wie die Volksbank reagiert", so Roland Sieben. Danach werde man weitere Schritte planen.


Karen Noetzel / KEN
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