Nach Rassismusvorwurf: Entlassung aus Schuldienst gefordert

Steglitz. Gegen einen Lehrer der Friedrich-Bayer-Oberschule ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung. Er soll eine 16-jährige Schülerin aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt haben.

Der Lehrer, der als Vertretungslehrer an der Schule unterrichtete, soll das dunkelhäutige Mädchen beschimpft und das Wort "Nigger" an die Tafel geschrieben haben. Die 16-Jährige erstattete Anzeige bei der Polizei. Erst dadurch gelangte der Vorfall in die Öffentlichkeit. Ob Schulleitung und Schulbehörde von dem Vorfall wussten, bevor Anzeige erstattet wurde, ist bislang nicht bekannt. Aktiv wurde die Schulbehörde jedenfalls erst danach. Sie suspendierte den Lehrer und will gegen ihn disziplinarisch vorgehen.

Schon jetzt kündigt die Senatsverwaltung für Bildung an, den Lehrer nie wieder unterrichten zu lassen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Allerdings müsste für ihn eine alternative Tätigkeit gefunden werden.

Der Geschichtslehrer ist bei der Schulbehörde kein Unbekannter. Unter anderem wurde er im Jahr 2000 vom Schuldienst suspendiert. Er soll NS-Verbrechen im Unterricht verharmlost haben. Damals arbeitete er am Steglitz Gymnasium. Sieben Jahre dauerte der Streit vor verschiedenen Gerichten, den der Lehrer am Ende gewann. Während seiner Suspendierung bezog er das volle Gehalt. Seit 2007 darf er wieder unterrichten.

Um eine Wiederholung zu verhindern, wird von vielen Seiten gefordert, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Lehrer dauerhaft aus dem Schuldienst zu entfernen. Die Jusos fordern zudem eine verstärkte antirassistische Arbeit an den Schulen.

"Es darf nicht nur bei Konsequenzen für den Lehrer bleiben. Der Bezirk muss engagierter gegen Rassismus vorgehen und sollte sich stärker als bisher mit spezialisierten Beratungseinrichtungen austauschen. Einfach den Lehrer zu suspendieren, das reicht nicht", sagt Benjamin Schmidt, Kreissprecher des SPD-Jugendverbandes in Steglitz-Zehlendorf.

In Schulen müsse das Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus mehr Raum einnehmen und es sollte Ansprechpartner geben, die solche Vorfälle ernst nehmen, so Schmidt weiter. Ein erster Schritt könnte sein, die Schülerin für ihren Mut angemessen zu würdigen. Schmidt: "Mit ihrem Handeln hat sie Zivilcourage gezeigt."


Karla Menge / KM
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