Nutzten die Täter beim Überfall Insider-Wissen?

Diesen Mann sucht die Polizei. Nach Zeugenaussagen konnte die Polizei ein Phantombild von einem mutmaßlichen Täter anfertigen.

Steglitz. Im Fall des spektakulären Überfalls in die Volksbankfiliale an der Schloßstraße, Ecke Wrangelstraße ermittelt die Polizei auf Hochtouren. Bis zum Wochenanfang waren über 90 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen.

Es ist bereits der zweite Anschlag auf diese Filiale. Im Oktober 2010 nutzten Täter die Umbauarbeiten in dem Geldinstitut, um durch ein Fenster in die Kellerräume der Filiale zu gelangen. Sie scheiterten jedoch an der dicken Kellerwand zum Tresorraum. Die Täter wurden nicht gefasst. Ob es sich beim aktuellen Überfall um die gleichen Täter handeln könnte, sei reine Spekulation, so Polizeisprecher Steffen Redlich. Fest steht für ihn hingegen, dass die Tat von langer Hand geplant wurde.

Die Täter hatten bereits vor einem Jahr drei Tiefgaragenplätze gemietet. Von hier aus gruben sie den 45 Meter langen Tunnel. Dabei seien sie äußerst professionell vorgegangen.

Bevor die Spurensicherung den Tunnel untersuchte, hat ein Roboter der Berliner Wasserbetriebe den Tunnel auf Gefahren untersucht. Die Ermittler entdeckten polnische Bierdosen und Energy-Drinks, die auf die Herkunft der Täter hinweisen könnten. Eine Sonderkommission entdeckte zudem Teile eines Spezialbohrers, was wiederum darauf hinweisen könnte, dass die Täter aus der Baubranche stammen.

Ein weiteres Detail macht die Polizei stutzig. Von den rund 900 belegten Schließfächern im Tresorraum sind knapp ein Drittel ausgeräumt worden. Bei den Fächern hatten die Täter einen Volltreffer gelandet, denn nicht alle Fächer im Tresorraum waren belegt. Offensichtlich wurde hier ganz gezielt vorgegangen. Dem Verdacht, dass Insiderwissen genutzt wurde, geht die Polizei ebenfalls nach.

Inzwischen sind über 90 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen. Nach ersten Zeugenaussagen konnten die Ermittler ein Phantombild eines Mannes anfertigten, der vermutlich am Raub beteiligt war. Der Mann ist 30 bis 40 Jahre alt, zirka 1,90 Meter groß, stämmig und hat einen Bauchansatz. Hinweise nimmt die Polizei unter 46 64 94 51 07 entgegen.

So spektakulär der jüngste Bankraub auch war, dem Fall "Commerzbank" aus dem Jahr 1995 in Zehlendorf wird er wohl nicht den Rang ablaufen. Damals gruben die Täter einen Tunnel in eine Commerzbank-Filiale. Bei dem Überfall stürmten vier bewaffnete Männer die Filiale, nahmen 16 Geiseln und forderten rund fünf Millionen D-Mark Lösegeld. Das Geld steckten die Täter ein, knackten 207 der 400 Schließfächer und machten sich durch den Tunnel aus dem Staub. Der Bankraub gilt als einer der spektakulärsten in der Bundesrepublik.


Karla Menge / KM
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