Parteien uneins über Verantwortung für das Scheitern der Rathaussanierung

Im April 2011 wurde die Totalsanierung des Rathauskomplexes in Zehlendorf gestoppt. (Foto: M. Schmidt)

Steglitz-Zehlendorf. Die SPD des Bezirks zweifelt weiterhin an den Planungskosten für die gescheiterte Rathaus-Renovierung nach Energiesparkriterien und sieht Schwarz-Grün in der Verantwortung.

Nicht nur die Höhe des vergeblich ausgegebenen Geldes, auch die Verantwortung für die "Sanierung des Rathauses Zehlendorf nach Umweltgesichtspunkten" war Gegenstand von gegenseitigen Beschuldigungen in der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlug. Nach CDU-Ansicht sind die von "Sarazenu"-Gegnern angeführten zwei Millionen Euro für Gutachten und Vorplanungen viel zu hoch angegeben. Zudem sei es der damals zuständige SPD-Baustadtrat Uwe Stäglin gewesen, der "Sarazenu" maßgeblich vorangetrieben habe, sagte CDU-Fraktionschef Torsten Hippe.

Dagegen nahm sein SPD-Widerpart Norbert Buchta Stäglin in Schutz, der nach der Neukonstituierung des Bezirksamtes vor einem Jahr seinen Posten aufgab: "Stäglin ist nicht verantwortlich", erklärte Buchta. Auch sein Parteifreund, Immobilienstadtrat Michael Karnetzki, pflichtete ihm bei. Stäglin sei damals "nicht federführend" an der "Sarazenu"-Planung beteiligt gewesen und könne "nicht allein verantwortlich" gemacht werden. Nach Karnetzkis Angaben hätte sich "Sarazenu" bei gleichbleibender Energiepreisentwicklung in 200 Jahren amortisiert.

Sprecher von CDU und Grünen verteidigten in der Sitzung mehrfach die ehrgeizigen Pläne zum ökologischen Umbau des Rathauses. Der grüne Bezirksverordnete Bernhard Steinhoff bedauerte die Verluste, die "sicher höher als gewollt" gewesen seien. Eine umweltgerechte Renovierung der Bezirksamtsbauten aus drei Epochen in Zehlendorf sei indes zu rechtfertigen gewesen. Durch den Klimawandel drohten künftig gewaltige Energiekosten.

Die 2008 als "Leuchtturmprojekt" vorgesehene Totalsanierung der Rathausgebäude hatte vorgesehen, den Heizbedarf auf 20 Prozent zu senken und dafür zwölf Millionen Euro zu investieren. Nach kalkulierten Kostensteigerungen auf fast das Dreifache verzichtete das Bezirksamt im April 2011 auf die Fortführung des Umbaus. Der Rechnungshof Berlin hat jetzt den durch Gutachten und Architekturleistungen entstandenen Schaden auf 1,6 Millionen Euro beziffert und fordert eine Stellungnahme des Bezirks.


Martinus Schmidt / mst
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden