Stadträtin fordert mehr Geld für die freie Szene

Steglitz-Zehlendorf. Die Hauptstadtkunst soll sich künftig mehr in den Berliner Randbezirken abspielen. Kulturstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) will, dass Kultur-Fördermittel gleichmäßiger verteilt werden und dabei die Bezirke mitbestimmen dürfen.

Die Stadträtin hat eine "Koalition der freien Szene" ins Leben gerufen, die von ihren Amtskollegen aus sechs weiteren Randbezirken unterstützt wird. Danach soll die bisherige Kulturförderung zugunsten freier Kunstschaffender umgeschichtet werden. Nach Richter-Kotowskis Vorstellung sollen Anträge von geförderten Kultureinrichtungen nur noch dann berücksichtigt werden, wenn das Projekt maßgeblich mit Künstlern freier Strukturen realisiert wird. "Wir wollen die Vielfalt der Kunst in den Stadtteilen erhalten", sagt die CDU-Politikerin zu ihrem Vorstoß. Sie befürchtet, dass nach dem geplanten Umzug der Museen Dahlem und des Alliierten-Museums eine Verödung des Südwestens zu erleben sein wird.

Kotowski will zudem freien Gruppen helfen, die 20-Prozent-Eigenmittelquote für die Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds zu erfüllen, und der Fonds soll künftig auch Festivals fördern dürfen. "Kunst lebt davon, dass sie gefördert wird. Sie ist in den allerwenigsten Fällen kostendeckend", sagt Richter-Kotowski. Es gebe viele Künstler im Bezirk, die eine Förderung verdienten.

Als Beispiele nennt sie die Galerie Mutter Fourage, die Liebermann-Villa oder das Zimmertheater. In der Steglitzer Bornstraße betreibt Günter Rüdiger seit 2010 das "kleinste Theater Berlins" mit 40 Plätzen. Die Einnahmen decken nach seinen Angaben bislang nur die Kosten. Gespielt wird nur an Wochenenden, denn Rüdiger und seine Schauspielkollegen treten ansonsten auf anderen Bühnen auf. Andere Kulturstandorte wie die "Mutter Fourage" in Wannsee kalkulieren anders: "Wir haben einen kleinen Förderverein", sagt Wolfgang Immenhausen. Seine "Kulturscheune" betreibt auch Restauration, einen Bioladen und eine Galerie.

Zahlen zum staatlichen Sponsoring will die CDU-Politikerin nicht nennen. "Es geht erst einmal darum, Öffentlichkeit zu erzeugen, dass es nicht nur die Deutsche Oper, sondern auch die Kleine Oper Zehlendorf gibt."


Martinus Schmidt / mst
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