Volksbank-Einbruch: Polizei tappt im Dunkeln

Durch diesen Tunnel gelangten die Täter in den Tresorraum der Volksbank-Filiale. Jetzt wird der unterirdische Gang dicht gemacht. (Foto: K. Menge)

Steglitz. Viereinhalb Monate nach dem Einbruch in die Berliner Volksbankfiliale an der Schloßstraße wird der von den Gangstern gegrabene Tunnel dicht gemacht.

Auch nach wochenlanger intensiver Ermittlungsarbeit gibt es in dem Fall, bei dem Einbrecher monatelang einen 45 Meter langen, unterirdischen Gang zur Volksbank-Filiale gegraben und rund 300 Schließfächer ausgeräumt hatten, keine heiße Spur. "Wir haben bei unseren Untersuchungen Hunderte Spuren gefunden und ausgewertet. Leider waren nur wenig verwertbare dabei", sagt Kriminalhauptkommissar Michael Adamski, stellvertretender Leiter der "Ermittlungsgruppe Tunnel". Auch die rund 400 Hinweise aus der Bevölkerung brachten die Beamten nicht weiter und führten in eine Sackgasse, informiert Adamski. Jetzt soll ein Profiler den Fall neu aufrollen, um das Vorgehen der Täter aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. "Durch den Erfolgsdruck hatten die Ermittler am Ende wohl einen Tunnelblick." Die Arbeit des Profilers könnte neue Erkenntnisse bringen.

Neue Hinweise erhoffen sich die Kriminalbeamten auch durch die abschließenden Arbeiten am Tunnel. Bevor er aus Sicherheitsgründen wieder verfüllt wird, soll er "aufgemacht" und die benutzten Materialien geborgen werden. Eventuell geben die rund 1000 Winkel, die zum Bau des Tunnels benötigt wurden, neue Erkenntnisse.

Bekannt ist, dass der Lieferant der Winkel aus Polen kommt. Vielleicht gibt es Hinweise, wer die Winkel in so großer Menge gekauft hat. Ebenso werden die Holzbohlen von Kriminaltechniker genau begutachtet. Die Holzstützen wurden von verschiedenen Baustellen gestohlen. Fest steht, dass Fachleute am Werk waren. Selbst Statiker sind verwundert, mit welcher Professionalität der Tunnel gebaut wurde.

Insgesamt haben die Täter Gegenstände im Wert von rund zehn Millionen Euro entwendet. Diese Summe beziehe sich allein auf Angaben der Geschädigten, betont Adamski. Die Volksbank selbst bestätigt die Summe nicht. "Von den etwa 3200 Gegenständen, die von den Täter zurückgelassen wurden, konnte gerade die Hälfte sicher zugeordnet werden", sagt Sprecherin Nancy Mönch. An zehn Prozent der Inhaber konnte der Inhalt der Schließfächer komplett zurückgegeben werden.


Karla Menge / KM
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