Rettungshubschrauber „Christoph 31“ feierte 30. Geburtstag

"Christoph 31" auf dem Start- und Landeplatz am Benjamin-Franklin-Campus. Die Crew fliegt pro Jahr rund 3500 Einsätze. (Foto: Philipp Hartmann)
 
Der Helikopter wird auf einer Schiene aus der Halle gefahren. Innerhalb von zwei Minuten kann gestartet werden. (Foto: Philipp Hartmann)
Berlin: Charité-Campus Benjamin Franklin |

Steglitz. Die Crew schnallt sich an, die Rotorblätter drehen sich immer schneller und lauter, der Wind bläst kräftig in alle Richtungen und dann hebt er ab. Noch während der Jubiläumsfeier am Benjamin-Franklin-Campus der Charité macht sich „Christoph 31“ auf den Weg zu seinem nächsten Rettungseinsatz. 3500 davon gibt es jedes Jahr, so viele wie bei keinem anderen weltweit.

Dass „Christoph 31“ am 13. Oktober 1987 zum ersten Mal abheben konnte, war damals schon ein Ereignis. „Es gab damals Skepsis und Vorbehalte wegen der Notwendigkeit und es musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden“, erzählt Ulrich Frei, der ärztliche Direktor der Charité.

Der Rettungshubschrauber flog anfangs unter amerikanischer Flagge und bis zum Mauerfall nur im Westteil. 30 Jahre später ist er eine feste Institution und absolvierte am 23. Septemberden 70 000sten Einsatz. Meist wird die Besatzung zu Freizeit-, Sport- und Verkehrsunfällen, aber auch bei versuchten Suiziden gerufen. Eher selten sind Suchaufträge.

In die Luft geht es aber erst, wenn die Leitstelle der Feuerwehr Alarm auslöst. Dort gehen zunächst alle Notrufe ein, deren Daten in ein Computersystem übertragen werden. Dieses errechnet mittels GPS-Daten automatisch alle in der Nähe des Unfallorts befindlichen „notarztbesetzten Rettungsmittel“. Wenn selbst der nächste Rettungswagen länger als zwölf Minuten zur Einsatzstelle benötigt, wird automatisch die ADAC-Luftrettung am Benjamin-Franklin-Campus oder die DRF-Luftrettung von „Christoph Berlin “ am Unfallkrankenhaus Marzahn alarmiert.

Innerhalb von zwei Minuten ist die Crew von „Christoph 31“, immer bestehend aus einem Piloten, einem Arzt sowie einem Rettungssanitäter, in der Luft. Geflogen wird in einem Zwei-Schicht-System, bei dem sich insgesamt vier Piloten, vier Notfallsanitäter und 20 Ärzte abwechseln, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Nachts wird dagegen nicht gepflogen, weil die Beleuchtung an den meisten Standorten nicht für eine sichere Landung ausreicht. Auch bei Gewitter, Hagel, dichtem Nebel oder einem schweren Sturm wie am 5. Oktober, als „Xavier“ in Berlin wütete, bleibt der Helikopter am Boden.

Aber auch ohne Wetterkapriolen muss Pilot Nico Hellmann immer wieder neue Herausforderungen meistern. Vor dem Brandenburger Tor, auf dem Gendarmenmarkt, vor dem KaDeWe, auf einer Fußgängerbrücke über der Avus und am Arbeiterstrand des Tegeler Sees seien er und seine Kollegen bei ihren Einsätzen schon gelandet, erzählt er. Meist sichert die Polizei, die oft vorher schon am Einsatzort ist, die Landezone ab, damit keine Passanten gefährdet werden.

Obwohl das Team nicht jedes Leben retten kann, bleiben immer wieder schöne Erinnerungen zurück. So wurden Hellmann und seine Kollegen erst vor Kurzem von der Familie eines achtjährigen Mädchens, das sie im August 2016 nach einem schweren Verkehrsunfall trotz innerer Blutungen retten konnten, zum Dank eingeladen.

Aktuell wird gerade der Umbau des Landeplatzes am Franklin-Campus geplant. Der jetzige entspreche nicht mehr den europäischen Richtlinien, wie Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung, erklärt. Wann genau die Arbeiten beginnen und von wo aus „Christoph 31“ während dieser Zeit seine Einsätze fliegt, steht noch nicht fest. Eines ist jedoch sicher: auch in Zukunft wird der „gelbe Engel“ von Berlin weiter Leben retten. PH
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