Drogenfund im Gefängnis: Personalmangel im Justizvollzugsdienst

Berlin: Justzivollzugsanstalt Tegel |

Tegel. Die Strafvollzugsanstalt Tegel, Seidelstraße 39, ist in den vergangenen Wochen wieder ins Gerede gekommen – als Umschlagplatz für Drogen.

Ende Juni fanden Ermittler in dem Gefängnis etwas, was dort gar nichts zu suchen hat: Drogen, Alkohol und Mobiltelefone. Für einen so gesicherten Bereich wie eine Strafvollzugsanstalt war die Ausbeute der Durchsuchung ansehnlich: 500 Gramm Haschisch, 70 Gramm Heroin, elf Handys und literweise Alkohol. Der Tipp kam von einem Strafgefangenen. Pikant dabei: Durch Zufall fand die Polizei einen Karton in Neukölln mit weiteren Drogen, die offenbar für das Gefängnis in Tegel bestimmt waren. Die Beamten wurden auf den Karton aufmerksam, als sie eine Auseinandersetzung schlichten wollten. Darin verwickelt war eine Frau, die zu einer arabischen Großfamilie gehören soll, genau zu jener Familie, zu der Nasser R. gehört. Der Mann sitzt eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels ab und soll auch an dem aktuellen „Lieferservice“ ins Gefängnis beteiligt gewesen sein, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Noch ist unklar, auf welchem Weg die heiße Ware in den Knast kam. Gerüchten zu Folge könnte ein Handwerker der Überbringer gewesen sein, aber auch eine Vollzugshelferin soll laut Staatsanwaltschaft daran beteiligt sein. Dies dementierte jedoch die Anstaltsleitung.

Schon 2014 gab es Vorwürfe seitens der Gewerkschaften, dass es zu viele Zugangsberechtigungen gebe. Diese werden ausgestellt, wenn Handwerker Reparaturen vornehmen oder Gebäude neu errichtet werden, wie zum Beispiel das für Sicherungsverwahrte, das im Juli 2014 eröffnet wurde. Angeblich blieben einige dieser Berechtigungen auch nach dem Ende der Arbeiten bestehen. Dies zu überprüfen sei aufgrund der Personalsituation schwierig.

Normalerweise gelten strenge Kontrollen für die Besucher. Doch im Gefängnis herrscht Personalmangel. In Tegel sind nach Berechnungen von Gewerkschaften aktuell von den 450 Stellen insgesamt 80 nicht besetzt. Und die Aussichten sind nicht besser. In den nächsten zwei Jahren werden zahlreiche Bedienstete ins Rentenalter kommen.

Dazu kommt, dass die Justizvollzugsbeamten nicht gerade üppig bezahlt werden. CS
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