Besonders im Frühling: Die bedeutende Grabmalkunst Schinkels

Tafel im Buch: C. G. A. Graeb, Grabstätte Familie von Humboldt im Park von Schloss Tegel, Aquarell um 1850. SSM Berlin. Fotokopie: Anne Schäfer-Junker
 
Abb. im Buch: Karl Friedrich Schinkel, um 1829, Schloß Tegel, Schlosspark Denkmal f. Gemahlin Wilhelm von Humboldts, Graphit, Zirkel, Blattmaß. KK-SMB. Fotokopie: Anne Schäfer-Junker
Berlin: Schloss Tegel | Friedhöfe im Frühling sind meistens blühende Biotope. Von Französisch Buchholz aus, von dem mit einigen – zunehmend verfallenden – hugenottischen Erbbegräbnissen ausgestatteten Friedpark an der Mühlenstraße gelangt man bei einem sonntäglich-schönen Spaziergang und gut zu Fuß ein Stück entlang des Tegeler Fließes über Waidmannslust nach Schloß Tegel – dem Humboldt-Schloß. Dort findet sich das Grabmal für Caroline von Humboldt im Schlosspark Tegel. Es ist eines der schönsten Beispiele der Berliner Parks und ein beeindruckendes Denkmal Schinkelscher Grabmalkunst.

Schinkel selbst hat ein umfangreiches Werk an Entwürfen, Zeichnungen und tatsächlichen Monumenten hinterlassen.

Dies rückt ein soeben im DEUTSCHEN KUNSTVERLAG erschienenes Buch der Kunsthistorikerin Lena Rebekka Rehberger in den Mittelpunkt neuerer Betrachtungen zu kunstgeschichtlichen, archäologischen und philosophischen Themen.
(http://www.deutscherkunstverlag.de/buch/suche/buch...)

Entgegen unserer heutigen Vorstellungskraft sind Friedhöfe oft als Bestandteil von Landschaftsparks entstanden, bzw. wurden in Parks angelegt. Auch zu Zeiten des großen preußischen Architekten und Künstlers Karl Friedrich Schinkel (geb. 1781 in Neuruppin, gestorben 1841 in der Bauakademie am Werderschen Markt in Berlin) hatte dies entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der Gräber. Zu seinem herausragenden Oeuvre gehört eine Anzahl von Entwurfszeichnungen, die Grabmale oder Mausoleumsbauten zeigen. Dabei bildet seine Grabmalkunst nicht nur einen wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens, sondern stellt auch allein aufgrund ihrer Fülle und Vielseitigkeit im Vergleich zur Tätigkeit anderer herausragender Architekten der Zeit, wie z. B. Leo von Klenze (1784–1864) oder Friedrich Weinbrenner (1766–1826), eine Besonderheit dar.

Mit diesem Buch zeigt Lena Rebekka Rehberger nach sorgfältiger, unglaublicher Recherchearbeit und mit präziser Schreibkraft das Erbe auf, das durch Schinkel und in seinem Umfeld entstanden ist, teilweise noch heute erhalten ist – da wo Denkmalpflege und Erinnerungskultur als schützenswürdiges Erbe gesehen werden. Im Buch (bspw. zur Grabanlage Tegel, Seite 156, IV. 1.3., Das Grab im Garten – Schinkels Entwurf für Caroline von Humboldt) findet der geneigte Leser, die Leserin, der Forscher würdige Texte und Abbildungen mit Schinkels Entwürfen und Studien seiner Zeitgenossen.

Bereits im Februar 2017 hatte Rehberger ihre Untersuchungen der Schinkelschen Grabmalkunst in ihrem Vortrag vor der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin im Bode-Museum vorgestellt – kurz vor Schinkels Geburtstag am 13. März (1781). Damit machte sie auf ihr jetzt im DEUTSCHEN KUNSTVERLAG erschienenes Buch DIE GRABMALKUNST VON KARL FRIEDRICH SCHINKEL aufmerksam (ISBN: 978-3-422-07390-6). Nur intensives Forschen als Kunsthistorikerin, klassische Archäologin und Philosophin und mit viel Glück beim Auffinden relevanter Quellen kann ein durch zahlreiche Verluste gekennzeichnetes Thema wie es die Grabmäler selbst durch Vergänglichkeit darstellen, derart komplex erfasst werden. Das ist Lena Rebekka Rehberger augenscheinlich gelungen.

Im Interview sagt Frau Rehberger:

„Schinkels Grabmalkunst unterscheidet sich durch die individualisierende Kompositionsweise, die seine Entwürfe charakterisiert erheblich vom Großteil der zeitgenössischen und insbesondere von der Sepulkralkunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schinkel wirkte mit seiner Grabmalkunst in hohem Maße stilbildend und trug zur Weiterentwicklung insbesondere der Berliner bzw. preußischen Sepulkralkunst bei. So beeinflusste er die Grab- und Denkmalkunst einzelner jüngerer Architekten stark, wie ich unter anderem am Beispiel von Ludwig Persius (1803–1845), Friedrich August Stüler (1800–1865) und Martin Gropius (1824–1880) veranschauliche. Die meisten von Schinkels Grabmalentwürfen, von denen später viele zur Ausführung gelangten, lassen sich zeitlich seiner Hauptschaffensphase zurechnen, die mit seiner Tätigkeit an der Technischen Oberbau-Deputation Berlin von 1810 bis 1840 zusammenfällt.“

Einen wichtigen Teil bilden dabei Grabmonumente aus Gusseisen, die er individuell für wohlhabende Auftraggeber aus der Oberschicht Preußens oder den preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestaltete. Diese Grabmale wurden in der Königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt und zeichnen sich durch eine neuartige und einmalige Transformation von antiken oder historischen Formen und Motiven in das Material Gusseisen aus. Einige der von Schinkel individuell für die einzelnen Verstorbenen gestalteten Grabmale aus Gusseisen wurden in der Folge mehrfach produziert und mit leichten Abänderungen auf die jeweiligen Kunden zugeschnitten. Neben an der römischen oder griechischen Antike orientierten Grabmonumenten, die von ihm vor allem während der Zeit der Befreiungskriege als individuelle Grabzeichen entworfen worden waren und für die sich bis in die 1830er eine große Nachfrage feststellen lässt, wurden insbesondere Grabkreuze über einen längeren Zeitraum hinweg bestellt und als moderne, bestmögliche Form der Memoria angesehen.

Donnerstag, 30.März 2017, um 18 Uhr, Vortrag über Schinkels frühe Grabmalentwürfe im Museum Neuruppin:

Seit Jahren sind sensible Themen, wie die würdevolle Betrachtung von Friedhöfen in Berlin oft ausgespart. Scheinbar kann man eine gewisse Friedhofsambivalenz beobachten. Immer mal wieder werden Entwidmungen geplant. Friedparke zu entwidmen ist aus meiner Sicht ein pietätloser Akt. Grabmalkunst zu vernachlässigen bringt unwiederbringliche kulturhistorische und ästhetische Verluste mit sich, bedeutet auch den Verlust von Geschichtsaufzeichnungen. Dieses Buch von Lena Rebekka Rehberger kann die Größe dieses Verlustes ins Bewusstsein rücken. Museum Neuruppin:
http://www.museum-neuruppin.de/seite/186660/verans...

Anne Schäfer-Junker, ehrenamtl. Ortschronistin von Französisch Buchholz
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