Von der Revolution zu den Kleingärten: Meinhard Schröder stellt sein neues Buch vor

Wann? 24.02.2017 19:30 Uhr

Wo? Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19, 13507 Berlin DE
Meinhard Schröder zeigt das letzte Bild seines neuen Buches „Mein 2. Juni 1967“ in seinem Tegeler Kleingarten: 1987 erschütterten 20 000 Kleingärtner den damaligen CDU/FDP-Senat. (Foto: Christian Schindler)
 
Meinhard Schröder in seinem Kleingarten: Alles hängt mit allem zusammen. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Humboldt-Bibliothek |

Tegel. Der Tegeler Autor Meinhard Schröder hat in einem neuen Buch seinen ganz persönlichen Weg „von der Studentenrevolte zum Kleingärtnerprotest“ nachgezeichnet.

Auf dem Tisch im Wohnzimmer von Meinhard Schröder liegt die Ausgabe des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ vom 10. Februar 1969. „Gewalt gegen Gewalt“ steht dort, ergänzt von zwei breitformatigen Fotos. Das eine zeigt eine Reihe von Polizisten in einer Art Kampfmontur, das andere Demonstranten. Einer von ihnen ist Meinhard Schröder. Aufgenommen wurden die Bilder in Heidelberg, wo Schröder Theologie studierte.

Die Fotos, die heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr veröffentlicht werden, korrespondieren mit dem Titelbild von Schröders neuem Buch. Es zeigt eine junge Frau, die sich über einen auf dem Boden liegenden Mann beugt. Hinter der Frau ist noch das Heck eines VW-Käfers zu sehen. Das Bild vom 2. Juni 1967 kennt auch heute jeder. Es zeigt den sterbenden Benno Ohnesorg in einem Hof der Krummen Straße in Charlottenburg. Der Polizist Karl-Heinz Kurras, von dem sich viel später herausstellte, dass er ein Stasi-Spitzel war, hatte auf den Demonstranten geschossen. Aufgenommen hatte das Foto der Fotograf der damaligen Tageszeitung der „Sozialistischen Einheitspartei West-Berlins“, der „Wahrheit“, Jürgen Henschel.

Meinhard Schröder war an jenem 2. Juni 1967 nicht allzu weit weg. Er gehörte zu den Demonstranten, die der Meinung waren, dass der Schah von Persien ein brutaler Diktator und sein Staatsbesuch in Berlin eine Schande für die Stadt war. West-Berlins damalige Regierung sah das anders, sie ließ ihre Polizei mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgehen. Und sie bekam Unterstützung von den „Jubel-Persern“, die ihrerseits auf Demonstranten gegen den Schah einprügelten.

Als an jenem Tag der Schah von Persien in die Deutsche Oper kam, eskalierte die Situation. Viele Demonstranten wurden von der Polizei verprügelt und auch noch am Boden liegend getreten. Dann kam für sie die Genugtuung: Ein Wasserwerfer der Berliner Polizei fuhr auf, hatte aber offenbar Orientierungsschwierigkeiten. Das Nass traf die Beamten. Die „Dusche vor der Deutschen Oper“ beschreibt Schröder ausführlich. Doch was in eine Farce für einen autoritären Staat hätte münden können, endete mit dem Tod von Benno Ohnesorg extrem brutal.

Was Meinhard Schröder auf 159 Seiten beschreibt, sind Ereignisse, die zumindest die deutsche Geschichte geprägt haben, aber auch die Wechselwirkungen zwischen einer bürgerlichen Existenz und den großen Linien der Politik. Wenn Schröder selbst die Zeit zwischen 1967 und 1977 sein „rotes Jahrzehnt“ nennt, dann ironisiert er auch ein wenig die Tatsache, dass sein bürgerliches Leben auch nach 1977 nicht ohne Einfluss auf die Politik blieb. Schröder, der Kleingärtner, war beteiligt am Protest, als die Kleingärtner nicht mehr so viele Freunde in der Politik hatten. Vielleicht ist er auf seiner Seite der Barrikade geblieben.

Doch allein das Denken in Barrikaden und Grenzen ist zu eng. Auch das zeigt Schröder. Den Demonstranten von 1967 und später hallte oft entgegen „geht doch rüber!“ (in die DDR). Schröder gehörte zu jenen, die über ihre kirchlichen Verbindungen auch von geplanten Fluchten wussten, und viele Jahre im Gefängnis gelandet wären, wenn sie die Stasi in die Finger bekommen hätte.

Meinhard Schröder stellt sein Buch „Mein 2. Juni 1967“ am 24. Februar um 19.30 Uhr in der Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19, vor. Moderiert wird die Veranstaltung von Claudia Johanna Bauer. Der Eintritt ist frei. CS
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