Familie im Glück: Flüchtlinge ziehen in eigene Wohnung

Schlüssel zum Glück: Zarima und Timur wohnen jetzt mit ihren Kindern in einer eigenen Wohnung. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Schlüssel zum Glück: Zarima und Timur wohnen jetzt mit ihren Kindern in einer eigenen Wohnung. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Neu-Tegel |

Tegel. Nach 18 Monaten auf engstem Raum konnte eine vierköpfige Flüchtlingsfamilie jetzt eine eigene Wohnung beziehen. Doch es ist nicht das Land Berlin, das ihnen dabei geholfen hat.

Für Zarima und Timur S. ist die Wohnung in der ersten Etage ein Geschenk. „Hier haben wir viel mehr Platz und Ruhe“, sagen die Eltern von zwei Kindern. Seit die Familie aus Turkmenistan in Deutschland ankam, musste sie eineinhalb Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Scharnweberstraße zu viert auf engstem Raum leben.

Zum 1. Juli durfte sie nun an am Tile-Brügge-Weg 49 eine eigene Wohnung beziehen, immerhin 75 Quadratmeter. Die Wohnung gehört der Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Neu-Tegel. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern der Gemeinde haben Zarima (30) und Ehemann Timur (34) die Wohnung renoviert. Sie hat zweieinhalb Zimmer und einen großen Balkon. Für die Kinder gibt es genügend Platz zum Spielen und Lernen. Denn der sechjährige Khamid kommt bald in die Schule. Tochter Gülnara, vier Jahre alt, besucht ab August die Kita der Kirchengemeinde.

In Berlin sind Zarima und Timur als Flüchtlinge mittlerweile anerkannt, das heißt, sie haben einen befristeten Aufenthaltsstatus. Über Sozialleistungen finanzieren sie die Miete für die Wohnung, bis Timur eine Arbeit gefunden hat. Deutsch sprechen die beiden bisher nur wenig. Ein Wort jedoch hat Timur sofort gelernt: „langsam“. Das nämlich musste er von den Helfern öfter hören, weil ihm das Renovieren der Wohnung nicht schnell genug ging.

Möglich wurde die eigene Wohnung für die Flüchtlingsfamilie über das Projekt „better place – leben teilen“. Viele Partner sind hier an Bord, allen voran das Bezirksamt mit dem Integrationsbeauftragten Oliver Rabitsch, der Frauenbeauftragten Brigitte Kowas und Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD) als Schirmherr. Ziel des Projektes ist es, ungenutzte Räumlichkeiten im Bezirk, beispielsweise von Kirchengemeinden mit geringen finanziellen Mitteln und ehrenamtlicher Hilfe nutzbar zum machen. Jedoch nicht nur für Flüchtlinge. „Sondern auch für Familien, die in prekären Wohnverhältnissen leben müssen“, erläuterte Oliver Rabitsch.

In Berlin ist dieses Gemeinschaftsprojekt noch einmalig. Dabei war man sich im Kirchenrat sofort einig, die Gemeindewohnung am Tile-Brügge-Weg als Pilot-Wohnung bereitzustellen, erzählte Pfarrer Jörg Egbert Vogel. Dafür ist das Bezirksamt der Gemeinde dankbar. Der Familie werde damit nicht nur eine menschenwürdige Unterkunft geboten, sagte Stadtrat Höhne. Sie könne jetzt endlich auch ein normales Leben führen. Anleitung beim Renovieren der Wohnung bekam die Familie vom Verein Baufachfrau Berlin. Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und den Flüchtlingen über das gemeinsame Bauen und Gestalten wieder Selbstvertrauen zu geben, ist der Projektansatz des Vereins. Auch in anderen Bezirken soll das „better place“-Projekt jetzt fortgesetzt werden. In Reinickendorf gibt es schon vier weitere Angebote, zum Beispiel in Lübars.

Turkmenistan gehört zu den ehemaligen Mitgliedsstaaten der Sowjetunion. Laut Amnesty International ist die Menschenrechtslage dort unbefriedigend. Vor allem Oppositionelle, Journalisten und Kriegsdienstverweigerer sind Repressionen seitens des Staates ausgesetzt.

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