Neubau für Sicherheitsverwahrte eingeweiht

Tegel. Zwei Senatoren haben am 4. Juli die neue Sicherungsverwahrung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel inspiziert. Der Bau für Sexual- oder Gewaltstraftäter an der Seidelstraße 39 verfügt über 60 Plätze.

Im August werden die ersten 36 Sicherheitsverwahrten in den Neubau einziehen. Was sie erwartet sind 20 Quadratmeter große Zimmer mit Kühlschrank, separater Dusche und Küchenzeile. Der Neubau wurde am 4. Juli mit der Schlüsselübergabe eingeweiht. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) inspizierten den Fünfgeschosser.

Von außen ähnelt das blaue Gebäude eher einem modernen Verwaltungsbau. Gitter gibt es nicht. "Die Fenster sind aber aus speziellem Sicherheitsglas", so Architekt Jörg Schneider. Dort, wo man sie öffnen könne, verhindern Hartmangan-Stahlbleche mit ellipsenförmigen Öffnungen, dass die Insassen ihre Köpfe durchstecken können. Die dicken Türen vor den Zimmern, so heißen die Zellen offiziell, können die Insassen von innen auch selbst verschließen, wenn sie Ruhe haben wollen. Wer das Licht anmachen will, steckt wie im Hotel eine Karte in den Schlitz. Das soll Strom sparen, denn die Sicherheitsverwahrung kostet etwa 100 Euro mehr am Tag als im normalen Gefängnis. Das liege vor allem an den Therapieangeboten für die Insassen, erklärte der Justizsenator beim Rundgang. Auch Werkstätten gibt es. Dort können die Insassen Fahrräder reparieren, mit Holz arbeiten oder Körbe flechten.

Die künftigen Bewohner sind schwere Straftäter. Sie haben gemordet und vergewaltigt. Meist mehrfach und so lange, bis die Richter urteilten, dass sie auch nach dem Absitzen ihrer Haftstrafen nicht mehr zurück in die Gesellschaft dürfen, jedenfalls nicht, bevor sie nachweislich therapiert wurden. Diese Haft nach der Haft musste nach Urteilen des Bundesgerichtshofs und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gelockert werden. Die Richter bestimmten, dass alle Sicherungsverwahrten deutlich mehr Platz, mehr Freigang und längere Besuchszeiten erhalten müssen. Ihre Unterbringung muss sich auch räumlich vom normalen Strafvollzug abgrenzen. Dort sind die Zellen etwa neun Quadratmeter groß.

Insgesamt umfasst der Neubau rund 3200 Quadratmeter. Grundstein wurde im Dezember 2012 gelegt. Die Kosten belaufen sich auf 14 Millionen Euro. Der Bau ersetzt das alte Gebäude in der JVA Tegel.


Ulrike Kiefert / uk
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