Mehr als nur auf Augenhöhe: Rollstuhl-Basketball an der Toulouse-Lautrec-Schule

Rund 15 Schülerinnen und Schüler der Toulouse-Lautrec-Schule nehmen an der Rollstuhl-Basketball-AG teil. (Foto: Michael Nittel)
Berlin: Toulouse-Lautrec-Schule |

Borsigwalde. Am Mittwoch, 16. März wird in der Max-Schmeling-Halle der Landesmeister im Rollstuhl-Basketball ermittelt. Teilnehmen werden sieben Berliner Schulen, alles Förderzentren für Kinder mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Mit dabei werden auch Schülerinnen und Schüler der Toulouse-Lautrec-Schule aus Borsigwalde sein, in der es seit mittlerweile sechs Jahren eine Rollstuhl-Basketball-AG gibt.

Zurzeit nehmen rund 15 der 158 Schülerinnen und Schüler der Toulouse-Lautrec an dieser AG teil. Sieben von ihnen gehören zum Stamm des Schulteams, das sowohl beim Landesentscheid als auch an der im Dezember 2015 ins Leben gerufenen ALBA-Schulliga an den Start geht. Die Spieler haben alle einen unterschiedlichen Grad der körperlichen Behinderung. Und genau das ist eine der Besonderheiten dieses Spiels: Ob körperlich behindert oder nicht, Mann oder Frau, Mädchen oder Junge, alt oder jung. Alle können dieses Spiel gemeinsam spielen – denn im Rollstuhl sind sie alle gleich. „Dieses Spiel macht unsere Kinder zum ersten Mal zu Experten. Sie sind nicht mehr diejenigen, die etwas nicht gut können, sondern diejenigen, die etwas ganz besonders gut können“, bringt es Sportlehrer und Projektleiter Henry John auf den Punkt. „Das gibt den Kindern sehr viel Selbstbewusstsein.“

Rollstuhl-Basketball schult die Koordinationsfähigkeiten wie kaum ein anderes Spiel. Der Akteur muss in der Lage sein, mit beiden Händen durch gleichmäßiges Antreiben der Räder sein Sportgerät zu steuern und seine Mitspieler dabei immer im Blick zu haben, da jederzeit der Ball gepasst werden kann. Diesen in der Fahrt zu fangen und mit ihm zu dribbeln, ohne dabei durch ungleichmäßiges Steuern plötzlich nur noch im Kreis zu fahren – allein das erfordert viel Übung und Geschick. Und als sei dies nicht schon genug, kommen von links und rechts die Gegenspieler angefahren, um den Ball zurück zu erobern. Und während man also verzweifelt versucht, das Sportgerät zu steuern, den Ball zu dribbeln und zu behaupten, einen Crash mit Gegen- oder Mitspielern zu vermeiden, ist das wichtigste Ziel noch immer nicht erreicht: Der Ball muss in den Korb!

„Rollstuhl-Basketball gab es bei uns an der Schule eigentlich schon immer“, erinnert sich Schulleiterin Uta Eling. Seit 30 Jahren gibt es die Toulouse-Lautrec nun schon an diesem Standort an der Miraustraße. Doch während die Schüler in der Anfangszeit in herkömmlichen Rollstühlen dem Lederball hinterher jagen mussten, ist die Schule mittlerweile stolze Besitzerin von zwölf hochwertigen, in den USA gefertigten Rollstühlen – rund 2800 Euro das Stück. Ohne den Förderkreis für körperbehinderte Kinder e.V. und Landesmittel aus dem Bonusschulprogramm wären diese Anschaffungen aber nicht möglich gewesen, betont Eling.

Die Finanzierung der ALBA-Schulliga ist für drei Jahre gesichert. Die Initiatoren haben es sich zum Ziel gesetzt, auch Regelschülern die Teilnahme an Rollstuhl-Basketball-Turnieren und AGs zu ermöglichen. Aus diesem Grund sollen zusätzliche Sportstühle angeschafft werden, die von interessierten Schulen dann ausgeliehen und ausprobiert werden können. min
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