Legendärer Straßenfeger: MedienPoint erinnert an den Krimi, der die Nation bewegte

MedienPoint-Mitarbeiterinnen Marion Kureshi und Alicja Zamorska auf den Spuren des Halstuchmörders. (Foto: Dyna Häcke)
Berlin: Medienpoint Tempelhof |

Tempelhof. Vor 55 Jahren, im Januar 1962, befand sich die Bundesrepublik Deutschland quasi im Ausnahmezustand. Die Straßen waren an sechs Abenden wie leergefegt, die Leute hockten vor den Fernsehapparaten und fieberten der Ergreifung des „Halstuchmörders“ entgegen.

Der Francis Durbridge-Krimi-Sechsteiler „Das Halstuch“ flimmerte noch in schwarz-weiß über die Bildschirme und prägte den Begriff „Straßenfeger“ für besonders erfolgreiche TV-Produktionen. "Das Halstuch" schrieb Fernsehgeschichte. Die Einschaltquote lag bei 89 Prozent. Die Frage nach der Identität des Halstuchmörders beschäftigte fast die ganze Nation. Theater, Kinos, Volkshochschulen und viele andere öffentliche Einrichtungen blieben an den sechs Sendeabenden praktisch leer, auch Wahlkampfveranstaltungen der Parteien fanden kaum Interesse. In vielen Fabriken wurden sogar die Nachtschichten heruntergefahren. „Wer damals noch keinen Fernseher hatte, besuchte entsprechend ausgestattete Nachbarn, Freunde oder Verwandte oder suchte eine Kneipe mit Fernsehgerät auf“, erinnert sich Henning Hamann, Frontmann des Tempelhofer MedienPoints.

Wolfgang Neuss verrät den Täter

Doch kurz vor der Aufklärung und Identifizierung des Mörders nach Drehbuch sorgte ein vermeintlich schmählicher Verrat für das Überkochen der Volksseele: Am 16. Januar 1962, einen Tag vor Ausstrahlung der letzten Folge, erschien in der Berliner Boulevardzeitung „Der Abend“ ein vom Berliner Kabarettisten Wolfgang Neuss geschaltetes Werbeinserat für seinen gerade angelaufenen Kinofilm „Genosse Münchhausen“. Darin verpetzte Neuss Dieter Borsche als Halstuchmörder. Ursprünglich dazu gedacht, mehr Zuschauer vom Bildschirm weg in die Kinos zu locken, löste diese Aktion einen Skandal aus: Neuss erhielt Morddrohungen und die Bild-Zeitung bezeichnete ihn in einem Artikel sogar als „Vaterlandsverräter“. Zwar erklärte Neuss bis zu seinem Tod im Jahr 1989, den Mörder lediglich richtig erraten zu haben, aber es gab Hinweise, wonach Neuss’ Mutter und Borsches Ehefrau dieselbe Pediküre in Berlin besuchten und dabei die streng vertrauliche Information weitergegeben worden sein könnte.

Wie auch immer, für den Tempelhofer MedienPoint in der Werderstaße 13 ein gegebener Anlass, bis zum Monatsende, in seinem Schaufenster mit vielen Fotos an den Durbridge-geschüttelten Januar vor 55 Jahren zu erinnern. Der MedienPoint ist Montag bis Freitag jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos:  78 89 31 94. HDK
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Uschi Hahn aus Haselhorst | 28.12.2016 | 22:37  
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