Betrüger muss 150 Arbeitsstunden leisten

Tempelhof-Schöneberg. Im September 2011 sorgte der "Waldjunge" Ray für Schlagzeilen. Was zunächst wie ein Akt griechischer Tragödie schien, entpuppte sich zehn Monate später als Schwindel.

Ray, der in Wirklichkeit Robin heißt und aus den Niederlanden stammt, hatte sich im Roten Rathaus gemeldet und erzählt, dass er, nachdem seine Mutter tödlich verunglückt war, mit seinem Vater jahrelang im Wald gelebt hätte, bis dieser gestorben und von ihm an unbekannter Stelle begraben worden sei. Er gab an, dass er nur sein Geburtsdatum wisse und behauptete, 17 Jahre alt zu sein. Familiennamen und Geburtsort kannte er angeblich nicht.Da ihm, obwohl von Anfang an Zweifel an seiner Geschichte bestanden, dass Gegenteil nicht nachgewiesen werden konnte, wurde der Jugendnotdienst eingeschaltet. Laut Verteilschlüssel war das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg zuständig. Ray wurde in einer freien Trägereinrichtung untergebracht, verpflegt und eingekleidet und er bekam Taschengeld und einen Deutschkurs. Die Aufwendungen aus dem Jugendhilfeetat des Bezirks hatten knapp die 30 000-Euro-Marke erreicht, als die Bombe platzte. Im Juni 2012 war er laut seinen Angaben 18, also volljährig geworden (in Wirklichkeit war er schon 20) und die Polizei veröffentlichte sein Foto - als Jugendlicher konnte er sich noch dagegen sträuben. Binnen Stunden flog der Schwindel auf, "Ray" wurde von Bekannten in Holland als Robin identifiziert und wegen Betrug angeklagt.

Der Prozess am 26. September im Amtsgericht Tiergarten endete mit einem milden Urteil: Robin van H. wurde zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Das Verfahren wird eingestellt, sobald die Arbeitsleistung erbracht ist. Dabei ging es aber nur um den Betrugsvorwurf. Will das Bezirksamt das Geld zurück, muss es einen weiteren Prozess anstrengen. "Das werden wir tun", so der zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD) zur Berliner Woche. Ihn ärgert vor allem die Urteilsbegründung. Danach sei dem Steuerzahler nur ein geringer Schaden entstanden, weil die Leistungen schließlich auch einem obdachlosen Volljährigen in gleicher Höhe zugestanden hätten. "Wir reden aber hier von harten Euros aus unserem Jugendhilfeetat und die wollen wir wiederhaben", so Schworck.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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