Bezirk kapituliert vor der Antragsflut für Stolpersteine

Tempelhof-Schöneberg. Im Bezirk können derzeit keine neuen Stolpersteine beantragt werden. Das Projekt, mit dem an Menschen erinnert wird, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert oder vertrieben wurden, kommt damit ins Stocken.

Eine "Zumutung" nennt die Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße das. Die quadratischen Messingplatten werden seit rund 20 Jahren vom Kölner Künstler Gunter Demnig vor Häusern in ganz Deutschland verlegt, in denen Betroffene gelebt hatten. Beantragt und finanziert werden sie meist von Angehörigen, Privatleuten oder Initiativen. Im Bezirk sind in den vergangenen Jahren gut 550 Steine verlegt worden, ein Großteil im Bayerischen Viertel und rund um die Stierstraße in Friedenau. Damit ist nun erst mal Schluss.Weil die Koordination der Stolpersteinverlegungen im Bezirk von nur einer Person geleistet wird und die Stelle derzeit nur bis Ende 2014 zur Verfügung steht, hätten Prioritäten gesetzt werden müssen. "Wir geben den Vorzug den Angehörigen der Opfer", so die für Kultur zuständige Stadträtin Jutta Kaddatz (CDU). Anträge von Privatleuten und Initiativen würden zunächst einmal nicht mehr entgegengenommen. Die Anträge von Angehörigen will sie vorziehen, weil diese teilweise "hoch betagt" seien.

Sehr langer Vorlauf

Hannelore Emmerich, beim Archiv Tempelhof-Schöneberg Ansprechpartnerin für die Stolpersteinanträge, betont den "unglaublich langen Vorlauf" für eine Verlegung. Zwischen Antrag und Ausführung liege "mindestens ein Jahr", in dem recherchiert werde und der Termin für die Verlegung mit anderen Stellen abzustimmen sei. "Wir schaffen maximal 100 Steine im Jahr, momentan haben wir 150 Anträge zu bearbeiten."

Dass von der aktuellen Ankündigung ein ungutes Signal für Anwohner und Initiativen ausgehen könnte, kann Jutta Kaddatz nicht nachvollziehen. "Wir spielen mit offenen Karten und wollen keinen vor den Kopf stoßen." Schlimmer sei, wenn alle Anträge angenommen, aber nicht bearbeitet würden. Sie hofft, dass die betreffende Stelle im Bezirk über 2014 hinaus verlängert wird oder der Senat zusätzliche Mittel bereitstellt.


Ralf Liptau / flip
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