Fotografin sucht ehemalige Schlecker-Verkäuferinnen

Manche Schriftzüge sind noch da, Kunden und Mitarbeiterinnen schon lange weg. Christine Kisorsy sucht Schlecker-Verkäuferinnen aus dem Bezirk. (Foto: Liptau)

Tempelhof-Schöneberg. Die letzten Filialen werden ausgeräumt, der Schriftzug verschwindet zunehmend. Und wo sind die Verkäuferinnen abgeblieben? Die Fotografin Christine Kisorsy will mit einem Porträt-Fotoprojekt die Geschichte der ehemaligen "Schlecker-Frauen" erzählen. Und sucht dafür noch das Personal.

Es war die Geschichte einer großen Pleite, die das gesamte deutsche Einzelhandelswesen beeinflusst hat. Die bundesweit für Aufsehen und für Diskussionen sorgte. Die aber auch die Städte, Dörfer und Kieze vor jedermanns Haustür ein klein wenig verändert hat. Und die spätestens dort das jeweils individuelle Leben ein Stück weit aus der Bahn geworfen hat, wo auf einmal der Job verloren ging. Rund 25 000 Arbeitsplätze sind 2012 in ganz Deutschland gemeinsam mit dem Schlecker-Konzern verschwunden. Und an jedem einzelnen hängt eine Geschichte. Ein paar von ihnen will Christine Kisorsy jetzt erzählen. Anhand von Porträts derjenigen Frauen, die nach Ansicht der Fotografin "das Rückgrat dieses Unternehmens" gebildet haben. Mit der Projektidee möchte sie sich um das Fotoarbeitsstipendium der kommunalen Galerien in Tempelhof-Schöneberg bewerben und sucht deshalb jetzt gezielt nach ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen aus dem Bezirk, um sie ablichten zu können.

"Mir geht es absolut nicht darum, jemanden bloßzustellen oder vorzuführen", sagt sie. Sie will ein "objektives, sachliches" Zeugnis unserer Zeit liefern. Will aufzeigen, wie 2012 mit dem Thema Arbeit umgegangen wird, wie der Einzelhandel in einer Krise steckt und was daraus folgt. Eine soziografische Arbeit sollen die Bilder sein, kein politischer Appell. Auch deshalb stellt sie sich vor, die Frauen so neutral wie möglich darzustellen. "Einfache, sachliche Porträts in Schwarzweiß und Hochformat", schweben ihr vor. Bilder, die die Frauen zeigen, wie sie nun mal sind. "Und ohne Schlecker-Kittel, der ist ja Vergangenheit."

Sie bittet die ehemaligen Verkäuferinnen, sich bei ihr zu melden und ein erstes Gespräch zu führen. "Erst danach soll sich die Person für oder gegen das Mitmachen entscheiden", so die Fotografin. Und soll selbst bestimmen, welche Informationen sie von sich preisgibt. Bedingung ist natürlich, dass das Bild öffentlich gezeigt werden darf. Wenn Kisorsy das Fotoarbeitsstipendium gewinnt, würden die Bilder im Haus am Kleistpark ausgestellt. Wie es danach weitergeht, weiß die Fotografin noch nicht. "Ich sehe den Bezirk als Startpunkt, kann mir aber vorstellen, später darüber hinauszugehen." Am Ende könne so vielleicht "ein kleiner soziografischer Atlas" der Republik werden.

Wer mit der Fotografin zusammenarbeiten will, kann sich unter 0177/422 50 76 oder info@kisorsy-photo.de melden.

Ralf Liptau / flip
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