Gesundheitsamt sorgt sich um Zahnpflege bei Kindern

Tempelhof-Schöneberg. Jedes siebte Kind eines Jahrgangs muss dringend zum Zahnarzt. Dieses alarmierende Ergebnis präsentiert jetzt das Gesundheitsamt des Bezirks.

Es hat aus den Daten der Einschulungsuntersuchung vom vergangenen Jahr die Erkenntnisse speziell zur Zahngesundheit herausgefiltert und analysiert: Bei 14 Prozent der im vergangenen Jahr eingeschulten Kinder sind die Gebisse "sanierungsbedürftig". Bei knapp der Hälfte dieser Kinder fanden die Ärzte sogar abgefaulte Stümpfe vor, die nur noch gezogen werden konnten. "Für uns sind das dramatische Befunde", sagt die Leiterin des Gesundheitsamts, Sina Bärwolff. Denn die Zahngesundheit betreffe nicht nur das, was konkret im Mund zu sehen ist. "Der Zustand der Zähne ist auch ein Hinweis auf das elterliche Fürsorgeverhalten", so die Fachfrau. So könnten Rückschlüsse darüber gezogen werden, wie sich die Kleinen ernähren und wie sehr die Eltern sich um hygienische und gesundheitliche Fragen kümmern. Die Zahlen im Bezirk sind in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. "Das ist ein Problem, dem wir uns stellen müssen", sagt Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (B’90/Grüne).

Besonders in der unteren sozialen Statusgruppe gebe es Handlungsbedarf: Hier sind rund ein Drittel der Kinderzähne nicht in Ordnung. Dass die Zahngesundheit mit dem sozialen Status der Familien zusammenhängt, zeigt auch der berlinweite Vergleich: In besser gestellten Bezirken wie Pankow oder Steglitz-Zehlendorf sind die Zähne gesünder, am dramatischsten sind die Zahlen in Marzahn-Hellersdorf und Neukölln.

Klotz und Bärwolff würden das Problem in Tempelhof-Schöneberg gern mit den gesetzlich vorgeschriebenen zahnärztlichen Untersuchungen in Kitas und Schulen angehen. Um alle Schüler wirklich jährlich untersuchen zu können, fehlt jedoch das Personal. Im Gesundheitsamt sind nur rund zwei Drittel der Stellen besetzt, die es für die Menge von Aufgaben bräuchte. "Wir können unsere Aufgaben nicht mehr erfüllen", sagt die Stadträtin mit kritischem Blick in Richtung Senat.


Ralf Liptau / flip
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