Heinrich-von-Kleist-Park ist Denkmal des Monats Oktober

Die Kolonnaden am Parkeingang kommen aus Mitte. Allerdings wurden sie schon vor dem Ersten Weltkrieg an der Potsdamer Straße aufgebaut. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Jeden Monat stellt die Berliner Woche gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde ein Denkmal vor. Im Oktober geht es in den Kleistpark. Der ist nicht nur insgesamt ein Grünflächendenkmal. Er beherbergt auch zahlreiche gartenkünstlerische Schätze, die sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen geben.

Eine solche Grünfläche gibt es in Berlin kein zweites Mal: Die Besonderheit des Heinrich-von-Kleist-Parks liegt darin, dass sich seine Bedeutung und Geschichte seit Ende des 17. Jahrhunderts immer wieder verändert und erweitert haben. Dass der Park heute nichts mehr mit dem gemein hat, was er ursprünglich war. Trotzdem erzählt er noch immer für jedermann sichtbar seine eigene Geschichte. Und damit automatisch auch von den politischen und historischen Entwicklungen Berlins und sogar von ganz Deutschland. Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts wurde auf Geheiß des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg entlang der damaligen Landstraße nach Potsdam ein Hof- und Küchengarten angelegt, der ab 1718 die Bezeichnung "Botanischer Garten" erhielt. Ein Botanischer Garten in unserem heutigen Verständnis entstand hier allerdings erst ab 1801 auf einer Fläche von 7,5 Hektar.

Als Berlin immer weiter wuchs - und damit auch die Bebauung um das Gartengelände - wurde der um die Wende zum 20. Jahrhunderts nach Steglitz verlegt. Der Schöneberger Park wurde zur öffentlichen Anlage umgebaut und 1911 zum 100. Todestag Heinrich von Kleists umbenannt. Die Grundstücksstreifen entlang der Potsdamer, Elßholz-, Grunewald- und Pallasstraße wurden bebaut, nur die Fläche in der Mitte blieb frei.

Die ersten architektonischen Besonderheiten, die nach Öffnung des Parks entstanden, waren das Kammergerichtsgebäude in den Jahren 1909-13 und die Königskolonnaden. Die waren Ende des 18. Jahrhunderts nach Plänen Carl von Gontards an der Königstraße, heute Rathausstraße, am Alexanderplatz errichtet worden und mussten am Beginn des 20. Jahrhunderts Umbauplänen weichen. Inzwischen steht an ihrem ursprünglichen Ort ein Kino. Das Kammergericht ist vor allem durch seine Nutzungsgeschichte bekannt: Zur Nazizeit war hier kurzfristig der Volksgerichtshof untergebracht, es wurden beispielsweise die Schauprozesse gegen die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 durchgeführt. Später saß hier bis 1990 der Alliierte Kontrollrat. Für diese Funktion wurde nach dem Krieg auch der Park selbst grundlegend umgestaltet. Nach Plänen von Georg Bela Pniower wurde aus der Grünanlage im Wesentlichen ein repräsentativer Vorgarten für den Kontrollrat. In diesem Zusammenhang fanden vor dem Gebäude auch die Rossebändiger von Peter Jacob Clodt von Jürgensburg Platz, die seit 1843 auf einer Terrasse vor dem Berliner Stadtschloss gestanden hatten und 1945 sichergestellt worden waren. So sind auch diese Bronzefiguren als Teil eines beständigen Wechselspiels zwischen den königlichen wie städtebaulichen Planungen in Mitte und der Anlage in Schöneberg zu verstehen. Ob das Wechselspiel weitergeht, die Rossebändiger also zurück nach Mitte geholt werden, wenn das Humboldt-Forum steht, ist derzeit unklar. "Das", so stellt die für Denkmalschutz zuständige Stadträtin Sibyll Klotz klar, "würde auf entschiedenen Widerstand aus unserem Bezirk stoßen". Denn der heutige Standort sei "das Ergebnis einer bestimmten historischen Entwicklung, die man nicht ausradieren kann". Und Teil eines Grünflächendenkmals, das sich durch genau solche historischen Entwicklungen auszeichnet.

Alle Denkmale des Monats finden Sie unter www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/

Ralf Liptau / flip
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