Ohne Gewerbegebiet auf dem Tempelhofer Feld ist der Neubau nutzlos

Tempelhof. Nach dem Volksentscheid mit dem Ergebnis der Unantastbarkeit des Tempelhofer Feldes ist auch eine Brücke, die es noch gar nicht gibt, ins Wanken geraten.

Das millionenschwere Bauwerk würde wie ein in Beton gegossener Schildbürgerstreich im Nichts enden. Aber der Senat hat den Plan offenbar noch nicht aufgegeben. Die Brücke sollte von der Oberlandstraße über die Bahntrasse hinweg eine auf dem Flugfeld entlang der Autobahntrasse geplante Gewerbeansiedlung erschließen und mit dem Gewerbegebiet am Teltowkanal verbinden. Gewerbe auf dem Tempelhofer Feld wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Aber warum sollte eine dann im Nichts endende Brücke trotzdem gebaut werden?

Diese Frage kann die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Petra Rohland, nicht beantworten. Jedenfalls nicht definitiv. "Die Diskussionen über die Folgeerscheinungen des Volksentscheids haben gerade erst begonnen und ein Ergebnis bezüglich der Brücke gibt es noch nicht", so Rohland zur Berliner Woche. Sie meint aber, dass eine Brücke vielleicht auch für die Anwohner an dieser Stelle von Nutzen sein könnte.

Wie berichtet, hatte der Senat für den Brückenneubau schon 2012 einen nichtoffenen Wettbewerb für Ingenieure, Arbeitsgemeinschaften und Architekten ausgeschrieben und 2013 einen Entwurf preisgekrönt. Die Inbetriebnahme des mit 4,2 Millionen Euro Kosten kalkulierten Bauwerks samt der dazugehörigen Straßenanbindung war bis etwa 2016 vorgesehen.

Außerdem ist direkt an der Brücke auch ein neuer S-Bahnhof geplant worden, für den es allerdings noch keinen Zeitplan gibt. Dafür hat die Phantombrücke bereits einen Namen. Sie soll nach Hatun Sürücü benannt werden. So hat es die Mehrheit im BVV-Kulturausschuss Anfang Mai letzten Jahres auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. Hatun Sürücü (1982-2005) war eine Berlinerin mit kurdischen Wurzeln, die sich aus einer Zwangsehe befreit hatte. Weil sie ein von den Vorstellungen der Familie abweichendes Leben führen wollte, wurde sie an der Oberlandstraße von einem ihrer Brüder erschossen.


Teures Lachen

Ein Kommentar von Horst-Dieter Keitel

Manchmal drängt sich mir förmlich der Eindruck auf, dass diese Stadtregierung nichts auslassen will, um sich mit ihren infrastrukturellen Bauvorhaben unbedingt der Lächerlichkeit preis zu geben. Das wäre ja noch okay - Lachen ist schließlich gesund -, wenn es bloß nicht jedes Mal so verdammt teuer würde.

Aber ist ja nur Steuergeld und Tempelhof scheinbar das geeignet Pflaster, um es nutzlos auszugeben. In puncto Brücken ins Nichts hat man hier nämlich Übung. Schließlich stand jahrzehntelang, bis Ende der 90er-Jahre, an der Gottlieb-Dunkel-Straße schon einmal eine völlig unnütz und abrupt in der Luft endende Autobahnbrücke. Eine Fehlplanung, die 14 Tage bevor sie dann endlich abgerissen wurde, von einer Fachfirma noch mal rundum frisch gestrichen worden war. Ein Abriss erster Klasse sozusagen. Kein Witz und ich fürchte fast, auch nicht die letzte Pointe. Soll noch mal einer sagen, unsere Politiker, egal ob im Berliner oder in den Bezirksrathäusern, hätten keinen Humor.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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