Prioritätenliste für Umbauten im Straßenland liegt vor

Tempelhof-Schöneberg. Der Beirat von und für Menschen mit Behinderung hat eine Prioritätenliste vorgelegt, nach der Wegebeziehungen nach und nach barrierefrei umgestaltet werden sollen. Bis 2020 stellt der Senat dafür Geld zur Verfügung.

"Nach meiner Erfahrung", sagt Uli Seiler vom Beirat von und für Menschen mit Behinderung, "gibt es zwei Arten von Barrieren: die im Kopf und die am Wegesrand." Beide seien schwer abzubauen. Für die eine gibt es wenigstens die Möglichkeit der baulichen Veränderung. Und die soll im Bezirk künftig systematisch genutzt werden. In den vergangenen Monaten hat der Beirat gemeinsam mit dem gemeinnützigen Beschäftigungsträger "agens" eine Prioritätenliste zusammengestellt, die vorgibt, an welchen Stellen im Bezirk besonders dringender Handlungsbedarf besteht, um Menschen mit Behinderung zu möglichst großer Mobilität zu verhelfen. Über ein öffentlich gefördertes Beschäftigungsprojekt haben Christian Hecker und seine Kollegen von "agens" bisher 90 Prozent des öffentlichen Straßenlands ausgewertet. "Damit liegen für Tempelhof-Schöneberg so viele Daten vor wie für keinen anderen Bezirk", sagt Hecker. Konkret wurden die Höhe der Bordsteine beispielsweise an Kreuzungen gemessen und die taktilen Leit- und Sicherheitseinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte kartiert. Das Ergebnis macht zunächst wenig Mut: Von insgesamt rund 10 000 Querungsstellen im Bezirk müssen noch rund 3000 abgesenkt werden, von rund 12 000 erforderlichen Leit- und Sicherheitsstreifen gibt es erst rund 2000.

Aus den vorgelegten Daten hat der Beirat nun erst einmal 52 Stellen ausgewählt, die noch in diesem Jahr umgebaut werden sollen. So beispielsweise jeweils zwei Kreuzungen am Tirschenreuther Ring und entlang der Straße Alt-Tempelhof. Hierfür stehen aus einem Stadtentwicklungsprogramm des Senats 70 000 Euro zur Verfügung.

In den kommenden Jahren soll es immer weiter gehen. Bis 2020 will der Senat 18 Millionen Euro für den barrierefreien Ausbau des Berliner Straßennetzes ausgeben. "Mit den Daten aus der Liste sind wir jetzt als Bezirk gut aufgestellt", freut sich die Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Franziska Schneider. "Weil wir wissen, wo wir anfangen wollen und die Mittel deshalb rasch verbauen können."


Ralf Liptau / flip
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