Stadtrat will Verkauf an Jugendliche mit strengen Kontrollen "austrocknen"

Tempelhof-Schöneberg. Oliver Schworck (SPD), Stadtrat für Jugend, Ordnung und Bürgerdienste, fordert, den Verkauf von Alkoholika aller Art an Minderjährige generell gesetzlich zu stoppen.

Die vermeintliche Patentlösung, wie dieses hochprozentig kinder- und jugendgefährdende Geschäftsfeld trockengelegt werden könnte, liefert er gleich mit. Ob beim Alkoholeinkauf an der Supermarktkasse, bei der Bier- und Schnapsorder in der Kneipe oder dem Glühwein auf dem Straßenfest: In jedem Fall soll das Vorzeigen eines Ausweises Pflicht werden. Wobei die Erfüllung dieser Pflicht natürlich bei den Verkäufern läge. Verkäufer, Wirte und Kellner müssten nämlich, wenn sie nicht mit entsprechenden Sanktionen rechnen wollen, konsequent Ausweiskontrollen durchführen und sich dabei vermutlich ein paar Umsätze durch die Lappen gehen lassen. Nach Angaben des Bezirksamts gibt es zurzeit rund 1600 gastronomische Betriebe in Tempelhof-Schöneberg. Dazu kommen die diversen temporären Märkte, Feste und sonstige Veranstaltungen mit Alkoholausschank zwischen Wittenbergplatz und der Lichtenrader Stadtgrenze. Und natürlich sind auch Einzelhandel, Tankstellen und so weiter betroffen. Vor allem aber müssten wohl Lokale auf Einhaltung der Pflicht kontrolliert werden. "Wir rechnen da mit vielen schwarzen Schafen", so der Stadtrat.

Das Problem: Es gibt nur eineinhalb für den Jugendschutz zuständige Stellen beim Ordnungsamt. Trotzdem will Schworck, dass der Bezirk Vorreiter für eine entsprechende Änderung des Jugendschutzgesetzes wird und als erster Bezirk stringente Ausweiskontrollen einführt. Der Politiker zur Berliner Woche: "Im Jugendschutzgesetz steht zwar sinngemäß, dass Händler von Personen, die augenscheinlich der Zielgruppe zuzuordnen sein könnten, den Ausweis verlangen müssen. Allerdings wird im Zweifelsfall leider zu oft auf erwachsen entschieden. Es muss ganz einfach eine andere Regel ins Gesetz, die diese Zweifel ausräumt. Viele haben sicherlich auch kein gutes Gefühl, ihre Kundschaft zu kontrollieren. Das würde entfallen, weil sie schließlich gar nicht anders könnten", so Schworck.

Ob er damit aber bis auf Bundesebene durchstechen kann, bleibt offen.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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