Tempelhofer Verein pflegt oberschlesisches Brauchtum

Mitglieder der Oberschlesischen Volkstrachtengruppe. (Foto: HDK)

Tempelhof. Der Kutscher legt eine flotte Sohle mit der Bauersfrau aufs Parkett und der Dorfschulze mit seiner eigenen. Ein unbedarfter Beobachter könnte im ersten Moment an einen Kostümball denken. Der wäre allerdings gleich unten durch. Der Begriff "Kostüm" ist absolut geächtet.

"Wir tragen ausschließlich Trachten, und zwar originale, wie sie im 19. Jahrhundert in verschiedenen Ortschaften und Regionen Oberschlesiens modern waren", erklärt Klaus Berkow, Vorsitzender vom Verein "Oberschlesische Volkstrachtengruppe" (OSV). Teilweise handelt es sich noch um Originalstücke, ansonsten werden die historischen Trachten der Bauern, Handwerker, Kaufleute und Kutscher oder auch des Dorfschulzen originalgetreu nachgeschneidert. Bei den Frauen sind vor allem die Kopfhauben und Blumenhaarkränze von Bedeutung. Viermal im Jahr stehen statt Tanz Putz- und Nähtage auf dem Programm der 26 Mitglieder im Alter zwischen 22 und 80 Jahren. Die generationsübergreifende Truppe setzt sich quasi aus allen Berufs- und Lebensbereichen zusammen. Zusammengehalten werden sie durch das gemeinsame Credo, das die Tempelhofer Trachten-Fans als Spaß an der Sache sowie familiäre Geselligkeit und Fitness beschreiben. Dazu kommen Auftritte bei Festen und Veranstaltungen und auch Tourneen. "Wir haben unsere Trachten und Tänze schon in vielen deutschen Landesteilen, in Schweden, der Schweiz, England, Frankreich, im Baltikum und den USA vorgeführt", freut sich Berkow.

Der OSV wurde 1932 von schlesischen Einwanderern gegründet. Die Zuzügler aus unterschiedlichen Ortschaften und Regionen brachten nicht nur ihr Brauchtum und ihre Trachten, sondern auch die dazugehörigen Volkstänze und die nötige Tanzfreude mit in die Spree-Metropole. Auf einen direkten schlesischen Hintergrund können heute zwar nur noch wenige Mitglieder verweisen, aber leidenschaftliche Oberschlesier im Herzen sind sie wohl alle. Einer der letzen, der seine schlesischen Wurzeln noch verorten kann, ist Michael Hese, Jahrgang 1956. Er ist schon seit Kindesbeinen dabei, mithin dienstältester Trachtenträger, und macht heute als Dorfschulze eine imposante Figur.

Wer noch mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen und mit fünf Euro pro Monat dabei.

Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr in der Seniorenfreizeitstätte "Berliner Bär", Holzmannstraße 18. Weitere Informationen unter www.osv-berlin.de

Horst-Dieter Keitel / hdk
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