Vor 35 Jahren besetzten rund 100 Leute die ufaFabrik

Juppy (65) ist Chef der Kulturfabrik am Teltowkanal. Seit ein paar Jahren gibt es auf ihrem Gelände sogar eine Straße, die an die Besetzung erinnert. (Foto: HDK)

Tempelhof. Es geschah am 9. Juni 1979: "Es war ein Sonnabend", erinnert sich ufaFabrik-Chef Juppy. An diesem Tag hat er mit rund 100 Kommunarden das Gelände an der Viktoriastraße besetzt. Pfingstmontag jährt sich das Ereignis zum 35. Mal.

Die Besetzung des leer stehenden, rund 18 000 Quadratmeter großen ehemaligen Ufa-Film-Kopierwerks als Piratenakt mit einem groß angelegten Ablenkungsmanöver in Kreuzberg blieb zunächst unbemerkt, machte dann bundesweit Schlagzeilen und die Kommunalpolitiker vor Ort in Tempelhof schäumten. Vor allem die CDU, allen voran die Junge Union, tobte förmlich vor Wut. Dieselben Leute, nur 35 Jahre älter, überbieten sich nun schon seit Jahren geradezu ob des Lobes, weil sich die alternative Kulturfabrik am Ufer des Teltowkanals längst zum nicht mehr wegzudenkenden Tempelhofer Kulturstandort vom Feinsten entwickelt hat.

Jedenfalls brachen die Widerstände gegen das Alternativprojekt bald zusammen. In den 1980er-Jahren schon war die inzwischen international bekannte ufaFabrik sogar für die offizielle Berlin-Werbung gut. Juppi, bürgerlich Josef Becher und Ende der 1960er-Jahre aus Trittenheim an der Mosel zugewandert, sieht die Sache immer noch feixend und formuliert seine Erinnerung an den 9. Juni etwa wie ein Geständnis: "Das war sozusagen der größte Postraub der deutschen Geschichte. Aber als das bemerkt wurde, war es zu spät."

Juppi und seine Mitstreiter haben allerdings auch alles getan, um zu verhindern, dass es jemand zu früh merkt beziehungsweise so interpretiert. "Den Politikern, die etwas gegen unsere Aktion hatten, haben wir klargemacht: Wir sind nicht kriminell und wollen uns nicht verstecken, wir wollen lediglich, dass ihr einmal herkommt und euch anschaut, was wir hier machen", erzählt Juppi.

Den rebellischen Besetzern von einst ist es auf ihrer Gratwanderung zwischen Aufruhr und Anpassung geglückt, ein florierendes Wirtschaftsunternehmen mit weit über 100 Arbeitsplätzen und sogar einer eigenen Grundschule für die Kommunekinder aufzuziehen.

Die ufaFabrik besteht heute aus mehreren Vereinen und kleinen GmbH-Einheiten. "Wir sind ähnlich wie eine amerikanische Holdinggesellschaft organisiert", erklärt Juppi.

Die große Geburtstagsshow im Theatersaal der ufaFabrik beginnt um 19 Uhr. Als Bühnengäste sind unter anderem Ulli und die Grauen Zellen sowie Terra Brasilis angekündigt. Durch das Programm führt Juppy. Der Eintritt kostet 20, ermäßigt zehn Euro.

Weitere Informationen und Kartenreservierung unter 75 50 30, im Internet auf www.ufafabrik.de.

Horst-Dieter Keitel / hdk
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