Bei Testkäufen im Bezirk kamen Jugendliche problemlos an Hochprozentiges

Tempelhof-Schönberg. Kürzlich führte das Ordnungsamt eine Testkauf-Aktion durch. Jugendliche sollten versuchen, verbotene alkoholische Getränke zu erwerben.

Das Ergebnis. Ausnahmslos alle Gewerbetreibenden haben den Minderjährigen Alkohol verkauft, so das Fazit der Behörde. Wie berichtet, waren schon im Juli und August minderjährige Auszubildende des öffentlichen Dienstes gezielt zu Testkäufen losgeschickt worden, um zu prüfen, ob das Jugendschutzgesetz eingehalten wird. Dabei hatten rund 75 Prozent der kontrollierten Händler beziehungsweise deren Mitarbeiter den Jugendlichen ohne die vorgeschriebene Alterskontrolle problemlos hochprozentigen Alkohol ausgehändigt. Beim zweiten Mal waren es nun satte 100 Prozent. In allen Fällen erhielten die Minderjährigen anstandslos die gewünschten Getränke.

"Für uns leider ein ziemlich katastrophales Ergebnis", so der zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD). Anlaufstellen der Testkäufer waren Einzelhandelsgeschäfte, Kioske und namhafte Großhandelsketten. Einige der Ertappten reagierten mit Gleichgültigkeit auf die Kontrollen. "Manchen Einzelhändlern scheint es völlig egal zu sein, an wen sie Spirituosen verkaufen. Da besteht in Sachen Jugendschutz offensichtlich keinerlei Unrechtsbewusstsein", stellt der Stadtrat fest und fügt hinzu, dass als Fazit bleibt, dass Jugendschutz noch immer viel zu wenig in den Köpfen des Verkaufspersonals verankert ist und die Einzelhändler ihn nach wie vor nicht ernst nehmen. "Wir werden in Zukunft verstärkt Testkäufe durchführen", kündigt Schworck an. Gegen das Verkaufspersonal und die Geschäftsleitungen oder Inhaber wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Ein Sprecher vom Handelsverband Berlin-Brandenburg erklärt auf Nachfrage der Berliner Woche, dass die Ergebnisse "das Bild vom Einzelhandel verkehren" würde und dass sich die große Mehrheit eben doch an den gesetzlich vorgegebenen Jugendschutz hielte. Zwar gebe es schwarze Schafe, denen Umsatz wichtiger sei als Jugendschutz, das seien aber nicht die großen Ketten, sondern kleine Unternehmen. Und: "Aktionen wie in Tempelhof-Schöneberg sind immer subjektiv".


Horst-Dieter Keitel / hdk
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