Schlafplätze für Obdachlose im Bezirk dringend gesucht

Tempelhof-Schöneberg. Das Amt für Soziales sucht dringend Partner zum Ausbau der Kältehilfe im Bezirk. Angesprochen sind hauptsächlich soziale Organisationen, Kirchengemeinden und karitative Verbände.

"Benötigt werden Übernachtungsplätze mit einfachsten Schlafmöglichkeiten, geeigneten Sanitäranlagen und engagierten Mitarbeitern zur Betreuung und Verpflegung der Obdachlosen, die entweder selbst die Angebote aufsuchen oder vom Kältebus gebracht werden. Die Räumlichkeiten müssen nicht groß sein. Auch kleinere Einrichtungen sind hilfreich", heißt es im Kern. Das Problem: Die Angebote der "Berliner Kältehilfe" reichen nicht mehr aus.

Die seit 24 Jahren bestehende Kältehilfe verfügt mittlerweile zwar über ein stadtweites Netz mit Nachtcafés oder Notübernachtungen, die in der Regel von Trägern der Berliner Obdachlosenarbeit, Kirchengemeinden und sonstigen karitativen Organisationen von Anfang November bis Ende März betrieben werden. Aber der Bedarf an zusätzlichen Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose und mithin vom Kältetod bedrohte Menschen steigt kontinuierlich. Bereits im ersten Halbjahr wurden im Bezirk so viele obdachlose Menschen untergebracht, wie im ganzen Jahr 2013, teilt das Bezirksamt mit. Im zweiten Halbjahr könnte sich die Situation also dramatisch zuspitzen.

Bisher gibt es in Tempelhof-Schöneberg nur eine Kirchengemeinde, die regelmäßig 15 Schlafplätze für Obdachlose in einer sonst nicht genutzten Souterrainwohnung anbietet. Das Land Berlin fördert einen Schlafplatz je Nacht unabhängig von der Nutzung mit 15 Euro. Diese Förderung ist auch für den kommenden Winter geplant.

Der genaue Bedarf für Übernachtungsplätze während der kalten Jahreszeit lässt sich zurzeit allerdings kaum beziffern, da in Berlin eine Wohnungsnotfallstatistik fehlt. Diakonie, Caritas und DRK gehen von etwa 11 000 bis 12 000 Wohnungslosen in der Stadt aus. Wie viele davon auf der Straße leben, ist umstritten.

Sozialstadträtin Sibyll Klotz (Bündnis 90/Grüne) appelliert an alle potenziellen Anbieter, sich zu melden, auch wenn sie nur Räume oder nur ehrenamtliche Helfer zur Verfügung stellen können. Informationen unter 902 77-87 83/-47 34.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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