"Sozialpolitische Katastrophe": Seniorenvertreter fordern mehr Grundsicherung

Tempelhof-Schöneberg. Weil die Rente nicht ausreicht sind immer mehr Senioren auf Grundsicherung angewiesen. Tendenz steigend. „Das ist nicht nur ein Mangel, der dem Rentensystem zugeschrieben werden muss, nein das ist auch ein erheblicher Mangel an Lebensqualität“, klagt die Seniorenvertretung.

Zur Lebensqualität zählt auch die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, den sich viele Bezieher von Grundsicherung nicht mehr leisten können. Allein für das Berliner Sozialticket müssen 36 Euro hingeblättert werden. Für die Mobilität werden in dem sogenannten Warenkorb, der die Höhe der Grundsicherung festlegt, aber gerade mal 24,07 Euro zugrunde legt. Davon sollen nicht nur Fahrkarten, sondern auch noch Fahrrad und Zubehör finanziert werden.

„Wie soll das gehen? Weniger essen, weniger heizen, weniger Bekleidung? Nein es ist nicht möglich andere Waren oder Leistungen zu reduzieren, dazu ist der Warenkorb einfach zu knapp berechnet“, sagt Manfred Kohler, Chef der Tempelhof-Schöneberger Seniorenvertretung und fügt hinzu, dass die betroffenen Senioren damit „faktisch zu einem großen Teil vom öffentlichen Nahverkehr – von der Teilhabe am öffentlichen, gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen“ sind. Kohler bezeichnet die Situation als „eine sozialpolitische Katastrophe“ und fordert die Berliner Politik auf, „diesen Missstand zu beseitigen“.

Dabei wäre lediglich eine Erhöhung der Grundsicherung um zwölf Euro nötig, „um die Ausgrenzung dieser älteren Menschen abzubauen“ haben die Seniorenvertreter ausgerechnet. Das würde für den Berliner Landeshaushalt einen Mehraufwand beziehungsweise eine zusätzlich Haushaltsbelastung von 451.440 Euro bedeuten. „Das wäre ein Mehr von 0,11 Prozent bei den Ausgaben“, so Kohler. Die Seniorenvertretung hält diesen Mehraufwand für die Steigerung der Lebensqualität im Alter und eine ausreichende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der älteren Menschen für „vertretbar und dringend geboten“.

Insgesamt werden laut Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Ende 2015 rund 675.000 Menschen leben, die älter als 65 Jahre sind. HDK
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