Fanmeile und größtes Fitnessstudio der Welt auf dem Tempelhofer Feld

Tempelhof. Bekanntlich möchte der Berliner Senat Olympia an die Spree holen. In seiner Broschüre zur Interessensbekundung als Austragungsort für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 spielt auch das ehemalige Tempelhofer Flugfeld eine gewichtige Rolle.

Nach der kürzlich bekannt gewordenen Senatsplanung sollen unter anderem auf dem versiegelten Vorfeld ein Olympischer Tenniscourt und daneben eine Beachvolleyballarena mit Platz für Zigtausende Zuschauer aufgebaut werden. Und in zwei Hangars sollen die Seile von Boxringen gespannt werden. Der Platz zwischen den ehemaligen Start- und Landebahnen ist als Fanmeile zum Mitmachen samt Public Viewing zwecks Live-Übertragung der Wettkämpfe vorgesehen.

Und auch an die Fans wird speziell gedacht. Sie könnten selbst sportlich aktiv werden und hätten "die Möglichkeit, Trendsportarten auszuprobieren und zum Beispiel in Kooperation mit der Slow-food-Bewegung gesunde, regionale Ernährungsangebote kennenzulernen" und das Feld während der Olympiade somit in das "größte Fitnessstudio der Welt" verwandeln, meinen die Senatsexperten. Alles noch unter dem Vorbehalt natürlich, "dass die Berlinerinnen und Berliner die Idee unterstützen".

Außerdem müsste sich das Ergebnis im Rahmen des gesetzlich Zulässigen bewegen und vor allem in Einklang mit dem Ergebnis des Volksentscheids stehen. Danach dürfen bekanntlich keinerlei dauerhafte oder fest installierte Bauwerke auf dem freien Feld entstehen. Den ersten Vorbehalt gibt es allerdings schon: Michael Schneidewind vom Verein "100% Tempelhofer Feld", der auch den Volksentscheid initiiert und gewonnen hat, erklärt, dass derartige Großveranstaltungen nicht mit der vorgesehenen Nutzung des Feldes zusammenpassen würden und dass das Ökosystem, die Flora und Fauna geschützt werden müssten. Lediglich einem Olympia-Campus auf dem Vorfeld könnte man zustimmen.

Zunächst wollen SPD, CDU, Grüne und Piraten nun versuchen, eine gemeinsame Resolution zu Olympia hinzubekommen. Die Grünen sind zwar nicht grundsätzlich dagegen, hegen aber Zweifel bezüglich der Reformwilligkeit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Intransparente Spiele und Knebelverträge für die Stadt wird es mit uns nicht geben", erklärt die Sportpolitikerin Anja Schillhaneck. Lediglich Die Linke hat sich bereits klipp und klar gegen die Olympia-Bewerbung ausgesprochen und sich der NOlympia-Bewegung angeschlossen.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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