Furioser Auftakt der Sanierung der Neuen Nationalgalerie

Drinnen Popkonzert und draußen Bauvorbereitungen: Eine Woche vor Beginn der Sanierung der Neuen Nationalgalerie spielte "Kraftwerk" in der großen Halle. (Foto: KEN)

Tiergarten. Vor der Generalinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie wird noch einmal richtig auf die Pauke gehauen. "Kraftwerk", die Pioniere des Elektro-Pops, geben bis 13. Januar acht Konzerte in der großen Glashalle im Erdgeschoss. Die Karten waren sofort ausverkauft. Zaungäste draußen hatten auch schlechte Karten. Vor neugierigen Blicken schützten schwarze Vorhänge.

Am 5. Januar hatte die Vorbereitung für die Konzerte begonnen. Im roten Strahl heller Außenscheinwerfer gab es ein geschäftiges Kommen und Gehen von Bühnenarbeitern. Gleichzeitig wurden an der Sigismundstraße schon die Bürocontainer der Bauleitung auf der Granitterrasse aufgebaut.

Bis 2018 wird die Ikone der Architekturmoderne umfassend saniert. Dann wird die Eröffnung ein halbes Jahrhundert her sein. 1968 war es. Im selben Jahr gründeten Ralf Hütter und Florian Schneider in Düsseldorf ihre Band "Kraftwerk". Die Instandsetzung bedeutet den Abbau, die Sanierung und die Wiedererrichtung der maroden Glas- und Stahlkonstruktion. Glasscheiben sind gesprungen, der Skulpturenpark war wegen zerborstener Bodenplatten schon seit Jahren geschlossen. Für Behinderte und Familien mit Kinderwagen fehlte ein Aufzug.

Die geplanten Arbeiten werden mehr als 40 Millionen Euro kosten. Grundlage für die Sanierung, die der britische Architekt David Chipperfield leitet, ist ein denkmalpflegerisches Gutachten für den Mies-van-der-Rohe-Bau. Laut beauftragtem Büro waren dazu unter anderem umfängliche Archivrecherchen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten notwendig, dazu Material- und Farbbefunduntersuchungen für die spätere Restaurierung. Die aufgetretenen Schäden wurden sorgfältig kartiert.

Nach den Konzerten geht es los. 1600 Bilder und Skulpturen müssen aufwendig in Depots und Zwischenlager transportiert werden. Zum Umzugsgut gehören auch die großen Außenskulpturen wie "Têtes et Queue" von Alexander Calder, "Archer" von Henry Moore oder die "Steinskulptur 2" von Ulrich Rückriem.

Wie Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie, gegenüber der Presse erläuterte, will Architekt Chipperfield mit dem Glastempel so behutsam wie möglich umgehen. Als Beispiel führte Jäger die Verglasung der großen Halle an. Sie erhält keine moderne Doppelverglasung, um nicht den "filigranen Charakter des Glashauses komplett zu verderben".

Bis zur Wiedereröffnung ist ab Herbst der Hamburger Bahnhof eine Dauerfiliale der Nationalgalerie. Ihr Bestand wird im sechsmonatigen Wechsel präsentiert. 50 Hauptwerke gehen nach Jerusalem. Das dortige Israel-Museum zeigt die unter Hitler als "entartete Kunst" verunglimpften Werke anlässlich seines 50-jährigen Bestehens. Es ist die erste Kooperation dieser Art überhaupt.


Karen Noetzel / KEN
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