Im Kulturforum ist eine grandiose Ausstellung zur Entwicklung der Zeichenkunst zu sehen

Franz Theobald Hornys "Blick auf Olevano", um 1822. (Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders)
 
Zeichnung und Malerei sind untrennbar miteinander verbunden. Vincent van Gogh schuf 1888 „Brandung“. (Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders)
Berlin: Kulturforum |

Tiergarten. Kaum eine Ausstellung vermag so anschaulich und spannend die entscheidenden letzten Schritte der Zeichenkunst hin zu einer selbstständigen Gattung der bildenden Kunst darzustellen wie derzeit „Romantik und Moderne“ im Kulturforum.

Die Ausstellung veranschaulicht am Beispiel von 130 Werken aus der eigenen Sammlung die wesentlichen Marksteine auf dem Weg der klassischen europäischen Kunsttradition in die Moderne. Mit „Romantik und Moderne. Zeichnung als Kunstform von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh“ verabschiedet sich Heinrich Schulz Altcappenberg zugleich aus seinem Amt. Im kommenden Frühjahr beendet der langjährige Direktor des Kupferstichkabinetts seine aktive Laufbahn.

Schulz Altcappenberg stellt die Leistungsfähigkeit und Überzeugungskraft der Kunstform Zeichnung auf die Probe. Gleichzeitig fordert er vom Publikum individuelle Seh- und Empfindungsfähigkeit. Die Anstrengung lohnt sich. Kaum eine künstlerische Ausdrucksform und Technik kommt dem Betrachter so nahe wie die Zeichnung. Denn sie stammt unmittelbar von der Hand des Künstlers.

Wie diese Hand zu Werke geht und welche technisch-stilistischen Differenzierungen möglich sind, zeigt die Schau in fünf Etappen. Den Anfang macht „Die Kunst der Linie“. Die Linie steht am Anfang einer Zeichnung. Sie zeigt Charakter und Temperament des Künstlers. Im Kupferstichkabinett werden Werke Schinkels, Ferdinand Oliviers und Julius Schnorr von Carolsfelds denen eines Franz Theobald Horny und Carl Blechen gegenübergestellt.

Die Weiterentwicklung der Zeichenkunst zu einer flächigen, ja geradezu abstrakten Darstellung des Gesehenen veranschaulicht „Fläche und Fragment“, die Sepien, Aquarelle und Ölskizzen unter anderem von Caspar David Friedrich zeigt. Hier ist nicht mehr die Feder oder der Graphitstift das Zeichenwerkzeug, das die nahe Verwandschaft der Zeichen- zur Schreibkunst belegt, sondern der Pinsel.

Der Ausstellungsbereich „Malerei auf Papier“ würdigt die Papierarbeiten des großen Berliner Malers Adolph Menzel. Zu sehen sind Gouache-Malereien aus dem „Kinderalbum“. Es entstand von 1863 bis 1883. Menzel widmete es „den Kindern“, seiner Nichte Gretel und seinem Neffen Otto. Der Onkel verstand die lose Folge von 44 Gouachen als Geldanlage für Nichte und Neffen.

Gegenüber ist ein anderer Zyklus zu entdecken: Arbeiten aus einem 282 Aquarelle umfassenden Konvolut des Berliner Malers Eduard Hildebrandt, das auf einer Reise rund um den Globus 1862 bis 1864 entstanden ist, sowie eine Reihe von Ölskizzen, die Moritz Rugendas 1834 in Mexiko malte.

Die Schau klingt aus mit „Echo und Perspektiven“. Vielfältig anschaulich gemacht ist hier Vincent van Goghs Auffassung, dass Zeichnung und Malerei untrennbar miteinander verbunden sind. Ein grandioses Beispiel ist seine Rohrfederzeichnung „Brandung“, entstanden 1888. Ihr gegenüber stehen Werke von Wilhelm Leibl, Giovanni Segantini, Odilon Redon, Max Klinger oder Hans Thoma. KEN

„Romantik und Moderne“ ist im Kulturforum, Matthäikirchplatz, bis zum 15. Januar dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet zehn, ermäßigt fünf Euro.
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