Kunstgewerbemuseum nach Umgestaltung wieder geöffnet

Ein neuer Schwerpunkt ist die Modesammlung von Martin Kamer und Wolfgang Ruf. (Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum, Achim Kleuker)

Tiergarten. Nach dreijähriger Schließung breitet das Kunstgewerbemuseum wieder seine Schätze aus. Neuer Schwerpunkt des umgestalteten Hauses am Kulturforum ist eine umfangreiche Modegalerie.

Sie ist dem Ankauf der internationalen Modesammlung von Martin Kamer und Wolfgang Ruf durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder im Jahre 2003 zu verdanken. Kamers und Rufs Sammlung gilt mit ihren mehr als 600 Damen-, Kinder- und Herrenkostümen sowie über 900 Accessoires aus drei Jahrhunderten als eine der bedeutendsten Privatsammlungen weltweit.

In abgedunkelten Räumen der Eingangsebene lassen sich 130 Kreationen und noch einmal so viele Accessoires, von Reifröcken und Roben des 18. Jahrhunderts bis zu den Schöpfungen von Coco Chanel und Yves Saint Laurent, in großen, schaufensterartigen Vitrinen bestaunen.

Berlin besitzt mit der Sammlung erstmals eine umfassende Dauerausstellung zum Thema Mode. Neu ist auch der Ausstellungsteil Jugendstil bis Art déco. Konzipiert als Raum im Raum, präsentieren vier Kabinette Möbelstücke und Exponate. An den Außenwänden der Räume finden Vitrinen für weitere Objekte Platz. Ein Kabinett ist der Pariser Weltausstellung 1900 gewidmet. Präsentiert werden unter anderem Schmuck von Lalique, Glas von Tiffany oder Porzellanfiguren von Sèvres.

Die Design-Sammlung im Untergeschoss, auch sie ist ein Novum im Museum, zeigt eine grandiose Auswahl an Exponaten von den Bauhausklassikern bis zu den Entwürfen zeitgenössischer Stardesigner wie Ettore Scottsass, Philippe Starcke oder Konstantin Grcic. Am Beispiel einer Stuhlreihe mit Entwürfen aus dem 19. Jahrhundert bis heute lassen sich Trends im Design gut nachvollziehen.

Neben diesen neuen Schwerpunkten zeigt das Kunstgewerbemuseum seine großartigen Schätze des Mittelalters und der Renaissance. Dazu gehören der Welfenschatz und das Lüneburger Ratssilber, Porzellane und Möbel wie der legendäre Kabinettschrank von David Roentgen für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II.

Die Berliner Architekten Simona Malvezzi, Johannes und Wilfried Kuehn haben das Museum in seinem Inneren weitgehend umgestaltet. Übersichtlich ist nunmehr der Eingangsbereich. In Kuben findet der Besucher Kasse, Information und Garderobe. Ebenso zeigt das Treppenhaus künftig klare Linie. Bei der Orientierung im Museum hilft das Wegeleitsystem des Designerbüros "Double Standards".

Das Berliner Kunstgewerbemuseum wurde 1868 als Deutsches Gewerbe-Museum eröffnet. Es ist damit das älteste seiner Art in Deutschland. 1879 folgte die Umbenennung in Kunstgewerbemuseum. Zwei Jahre später zog das Haus in den Martin-Gropius-Bau um, 1921 kamen Teile des Museums in das Berliner Stadtschloss. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Museumsräume und Teile des Bestandes zerstört. Die Reste wurden zwischen Ost- und Westberlin geteilt.

Die Ostberliner Teile wurden 1963 im Schloss Köpenick untergebracht, die Westberliner Teile kamen in das Schloss Charlottenburg und 1985 dann in den von Gutbrod 1967 entworfenen Neubau am Kulturforum. Nach der Wiedervereinigung führte man die Sammlungen wieder zusammen. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden sie im Schloss Köpenick und am Kulturforum gezeigt.

Geöffnet ist das Museum dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Karen Noetzel / KEN
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