Scanner revolutioniert die Archivierung von Kulturgütern

Im 3 D-Scanner wird eine kleine Replik des Doppelstandbildes der preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike von Schadow digital erfasst. (Foto: KEN)

Tiergarten. Günther Schauerte, Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist sichtlich froh, dass eine neue Technologie gerade Archivierung und Erforschung von Kulturgütern revolutioniert.

Cult Lab 3D hat das Fraunhofer-Institut für grafische Datenverarbeitung in Darmstadt ihre Erfindung genannt. Die sieben Meter lange Scanner-Straße kann im Akkord und in großer Menge dreidimensionale Artefakte erfassen und digitalisieren.

Anlässlich der EVA-Konferenz im Kulturforum, des jährlichen internationalen Forums für Entwickler, Vermittler und Anwender elektronischer Dokumentations- und Kommunikationstechniken im Kulturbereich, digitalisierte das Darmstädter Team um Pedro Santos von der Abteilung "Digitalisierung von Kulturerbe" in einem Testlauf Objekte aus mehreren Berliner Museen, vom Ägyptischen bis zum Vorderasiatischen Museum.

In relativ kurzer Zeit erhalte man hochauflösende Aufnahmen, mit denen zweierlei erreicht werde, so Günther Schauerte: Eine Vielzahl an Informationen zu den Objekten, wie sie bisher nicht zu erhalten war, und eine völlig neue Arbeitsgrundlage für die Museumsaufgaben Forschung, Restaurierung und Konservierung.

Der 500 000 Euro teure, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Prototyp von Cult Lab 3D hat derzeit zwei Stationen. Der erste Scanner besteht aus einem Licht- und einem Kamerabogen mit jeweils neun Lichtquellen und Kameras. Je nachdem, wie diese bestückt sind, kann man Form, Aussehen, Materialeigenschaften, Bearbeitungsspuren, Erhaltungszustand und Innenleben eines Objekts erfassen. Der zweite Scanner ist ein Leichtbau-Roboterarm, der, ebenfalls mit Lichtquelle und Kameras ausgerüstet, das Objekt auf einem Drehteller erfasst.

Dank der neuen Technik bestehe jetzt die Möglichkeit, Skulpturen nach dem Einscannen nachzugießen, bei denen man das im herkömmlichen Verfahren nie gewagt hätte, weil sie zu empfindlich sind, schwärmt Andreas Scholl, Direktor der Berliner Antikensammlung. Und für Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums, eröffnet die neue Technologie bislang verborgene Einblicke in Jahrtausende alte Keilschriftdokumente, auch sie dreidimensional.

"Das Museum hat 35 000 mit Keilschrift versehene Objekte, von denen etwa die Hälfte wissenschaftlich erschlossen ist. Die andere Hälfte wartet immer noch darauf", erläutert Hilgert.

"Ein Museum kann eine solche Scan-Straße für zwei bis drei Wochen mieten", sagt Pedro Santos. "Sie ist innerhalb eines halben Tages auf- und wieder abgebaut." Würde Cult Lab 3D in Serie gebaut, könnte sich die Prozedur so verbilligen, dass ganze Sammlungen eingescannt werden könnten.

Verbunden mit einer Fülle weiterer Informationen wären die dann laut Günther Schauerte nicht nur für die Forscher zugänglich, sondern via Internet auch für ein interessiertes Laienpublikum weltweit. Berlins Staatlichen Museen bergen rund 4,5 Millionen Objekte.


Karen Noetzel / KEN
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