Im Modus Landesvater: Der Regierende startete seine "Füreinander-Tour" in Tiergarten

Einer, der zuhören kann: Michael Müller wartet auf eine Bürgerfrage. (Foto: KEN)
 
Freundlicher Plausch: Michael Müller (links) und der Berliner SPD-Parteichef Jan Stöß. (Foto: KEN)
Berlin: Haus am Lützowplatz |

Tiergarten. Ganz im Modus des Landesvaters, der über den Parteien und insbesondere über seiner SPD schwebt, stellte sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller am 4. März den Fragen der Bürger.

Die Veranstaltung im bis auf den letzten Platz besetzten Haus am Lützowplatz – unter den Besuchern eine nicht geringe Zahl von SPD-Politikern der Landes- und Bezirksebene – war Auftakt seiner "Tour de Berlin" durch die Bezirke. Die „Füreinander-Tour“ durch die Bezirke geht bis Juni. Danach sind Sommerferien und am 18. September stehen die Wahlen zu Abgeordnetenhaus und Bezirksverordnetenversammlungen an. Für Michael Müller die erste echte Wahl, bei der er als Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin antritt und sie selbstverständlich gewinnen will.

Bürgernähe praktizieren

Der Regierungschef will Bürgernähe ehrlich praktizieren und „Wachstum menschlich gestalten“ in einer Stadt, die laut Prognosen in den kommenden sechs bis sieben Jahren auf vier Millionen Einwohner anwachsen wird. Er habe die Tradition der Bürgersprechstunde im Roten Rathaus wieder aufleben lassen und den „Senat vor Ort“ einmal im Monat initiiert, merkte der Regierende zu Beginn seines Bürgerdialogs „Michael Müller im Gespräch“ in Tiergarten an.

Niemand moderierte diesen rund 90-minütigen Abend. Besondere Themen waren nicht vorgegeben. „Feuer frei für alle Ihre Fragen“, rief ein krawattenloser Michael Müller aus, der sich ganz auf sein Charisma des geduldig zuhörenden, verständnisvollen und aufrichtigen Politikers, der auch mal keine Zahl kennt oder keine Antwort weiß, verlassen konnte.

Wenige lokale Themen

Die Fragen aus dem Publikum rissen Themen an, die alle Berliner derzeit mehr oder weniger bewegen: Wohnungsneubau, das Schließen von Baulücken, bezahlbares Wohnen, die unzureichend funktionierende Verwaltung, der immer noch verbesserungsbedürftige Ruf der Jobcenter, die Unterbringung und Integration der ankommenden Flüchtlinge, aber auch einige wenige lokale Themen aus dem Bezirk Mitte.

Eine dichte Bebauung des Platzes vor dem Roten Rathaus sieht Michael Müller kritisch. Andererseits schmücke die jetzige Freifläche die Stadt nicht gerade. Eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, will der Regierende Bürgermeister erst nach Fertigstellung des Humboldtforums 2018/2019 herbeiführen.

Zum Vorwurf, der Senat lasse das alte Nikolaiviertel links liegen, sagte Müller, das historische Berlin sei ihm „sehr wichtig“. An vielen Orten habe man bereits die historischen Spuren sichtbar gemacht. Denn das Interesse der Berlin-Besucher an der Stadtgeschichte und an deutscher Geschichte wachse zusehends. Michael Müller versprach, das Nikolaiviertel in die Berlin-Werbung einzubeziehen.

Zur Straßenprostitution direkt um die Ecke des ersten Tour-Veranstaltungsortes sagte Michael Müller, ein Sperrbezirk sei nicht hilfreich. „Die Mädchen, die da stehen, sind auch Opfer.“ Die Situation in der Kurfürstenstraße sei besser beherrschbar mit Straßensozialarbeit und Maßnahmen der Gesundheitsprävention vor Ort. KEN
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