Mittes Bürgermeister schlägt Alarm: Situation im Großen Tiergarten „dramatisch“

Tiergarten. Drogen, Pöbeleien, Prostitution, wildes Campieren: Der Große Tiergarten verwahrlost immer mehr. Am meisten leiden Bezirksamtsmitarbeiter unter den Zuständen. Bürgermeister Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen) schlägt Alarm: Der Park werde zur „rechtsfreien Zone.“

Schon mehrfach hat von Dassel Lager räumen lassen. Erst am 2. Oktober haben Polizei und Ordnungsamt erneut ein Camp von Obdachlosen aufgelöst. Drogenhandel und -konsum hätten in der 210 Hektar großen Parkanlage zugenommen. Tagtäglich würden gebrauchte Spritzen eingesammelt – „eimerweise“, so der Bürgermeister.

Eine regelrechte Prostitutionsszene habe sich ebenfalls etabliert. Für rund 20 Euro böten männliche Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus ihre Dienste an, so Dassel. Viele seien minderjährig. Demnächst will sich der Rathauschef mit Vertretern der Schwulenszene treffen mit dem Ziel, den Tiergarten nicht länger als Ort für schnellen, billigen Sex anzupreisen.

Stephan von Dassel sucht Lösungen, „ohne Denkverbote und über die Zuständigkeitsgrenzen hinweg“. Er will unter anderem die Zahl der Mitarbeiter im Ordnungsamt auf 60 verdoppeln und einen Referentenentwurf von 2015 zur Wohnungslosenhilfe umsetzen.

Kritik aus der SPD

Danach klärt eine spezielle Einrichtung für EU-Wohnungslose Kranken- und Sozialhilfeansprüche, kurzzeitige Übernachtungsangebote bis hin zu Rückkehrhilfen. Besonders aggressive Wohnungslose, grob geschätzt rund 50 Personen, will Dassel trotz EU-Freizügigkeit abschieben lassen. Kritik kommt vom SPD-Vizekreisvorsitzenden Julian Zado: „Das sind populistische Töne, die eher rassistische Ressentiments am recht Rand schüren. Das ist kein Beitrag zur Lösung.“

Der stellvertrende SPD-Fraktionschef in der BVV, Stefan Draeger, meint zu von Dassels Forderung nach mehr Personal im Ordnungsamt, der richtige Ort dafür wären die Haushaltsberatungen gewesen. Zados und Draegers Parteifreund im Senat, Innensenator Andreas Geisel, hat indes dem Bürgermeister von Mitte Unterstützung zugesagt: mehr Polizeistreifen im Tiergarten, mehr Personal für die Ordnungsämter. KEN
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