Bau der neuen S-Bahnstrecke geht voran

Mit dem Bagger in Richtung Hauptbahnhof: Das Gelände nördlich der Invalidenstraße ist eine Großbaustelle. (Foto: Liptau)

Tiergarten. Seit vergangenem Montag ist das Friedrich-List-Ufer am Humboldthafen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Bahn baut hier in den kommenden 30 Monaten den S-Bahnhof für die neue Nord-Süd-Strecke zwischen nördlichem Berliner Innenring und dem Hauptbahnhof.

Mit dem Beginn der Arbeiten östlich des Hauptbahnhofs sieht Arno Jäger, der Projektleiter für den Bau der neuen Strecke S21 eine neue Etappe des Großprojekts erreicht. Erst im vergangenen Jahr erfolgte der Spatenstich für die Strecke vom Bahnhof aus nach Norden, schon jetzt wächst sich das Unternehmen zu einer Großbaustelle aus. Bis 2017 wird nicht nur der neue, unterirdische S-Bahnsteig am Hauptbahnhof fertig sein. Sondern auch die vier Kilometer lange Strecke selbst, die umständlich in die bestehende Stadtstruktur zwischen Berlins neuer Mitte und den S-Bahnhöfen Westhafen und Wedding am nördlichen S-Bahnring eingefädelt werden muss. Vom Hauptbahnhof aus unterirdisch startend wird die Bahn zwischen Lehrter und Heidestraße weiter nördlich über ein Rampenbauwerk geführt und von da aus über drei hintereinander angeordnete Betonbrücken. Die südlichste, 265 Meter lang, führt über das Gelände des Hamburger und Lehrter Güterbahnhofs, die zweite auf einer Länge von 48 Metern über die Perleberger Straße, eine dritte 154 Meter lang in Richtung Wedding über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Im Norden wird sich die neue Strecke teilen, nach Osten führt sie zum S-Bahnhof Wedding, im Westen zum S-Bahnhof Westhafen. Beide Arme werden kurz vor dem jeweiligen Anschlussbahnhof noch einmal durch einen kurzen Tunnelabschnitt geführt.

Im Wedding wird für ein Rampenbauwerk die Tegeler Straße dauerhaft unterbrochen. Dafür wird, parallel zur alten Verkehrsführung ein Stück weiter im Südwesten am Berlin-Spanndauer Schiffahrtskanal die neue Straße "Nordufer" eingerichtet.

Wie die Strecke in fünf Jahren konkret an das bestehende Netz angebunden wird, ist derzeit noch nicht klar. "Das ist Sache des Bestellers, also des Verkehrsverbunds Berlin", sagt Projektleiter Arno Jäger. Unklar ist bisher auch, ob und wann ein zweiter Bauabschnitt begonnen wird: Eventuell ab 2019 soll die neue Strecke nach Süden erweitert werden und so den Hauptbahnhof mit dem Potsdamer Platz verbinden. Bis auf den neuen S-Bahnsteig am Hauptbahnhof wird es vorerst weder im ersten noch im zweiten weitere S-Bahnhöfe geben. Der ursprünglich angedachte S-Bahnhof Bundestag wird aus Sicherheitsgründen nicht eingerichtet. An der Perleberger Brücke werden schon jetzt vorbereitende Einrichtungen für einen zusätzlichen Bahnhof mit gebaut. "Eine konkrete Bestellung gibt es aber noch nicht", sagt Jäger.

Die Gesamtkosten des ersten Bauabschnitts werden auf rund 270 Millionen Euro geschätzt. Sie werden zu 40 Prozent vom Land Berlin, zu 60 Prozent vom Bund getragen.


Ralf Liptau / flip
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