Eines der letzten Kleinode des Tiergartenviertels

Die Villa an der Von-der-Heydt-Straße. (Foto: KEN)

Tiergarten. An der Von-der-Heydt-Straße steht eine der letzten erhaltenen Villen des alten Tiergartenviertels. Der große, spätklassizistische Bau ist fast der einzige Zeuge des einst so prächtig bestückten Quartiers.

Das bedeutende Werk der Schinkel-Nachfolge hat der königliche Baumeister Hermann Ende im Jahre 1860 entworfen. Auftraggeber war August von der Heydt (1801-1874), der Namensgeber der Straße. Die Villa sollte der Alterswohnsitz des Bankiers, Politikers und preußischen Staatsministers werden. Drei Jahre später war das Haus vollendet. Der Sprössling aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie in Elberfeld lud zur feierlichen Einweihung seinen Monarchen, Wilhelm I., sowie die königlichen Prinzen und einige Minister ein. Da war von der Heydt seit kurzer Zeit Pensionär. Nach Aufenthalten in England und Frankreich hatte August von der Heydt mit zwei Brüdern die väterlichen Bankgeschäfte übernommen und die ebenfalls aus Elberfeld stammende Julie Blank (1804-1865) geehelicht. Dann ging von der Heydt in die Politik. 1841 wurde er Deputierter des Provinziallandtags der Rheinprovinz, 1847 noch Abgeordneter im Vereinigten Landtag, ein Jahr später preußischer Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Sein Amt widmete er dem Ausbau des Post- und Telegrafenwesens. Vor allem trieb von der Heydt den Bau des preußischen Eisenbahnnetzes voran.

Seinen Ruhestand in dem damals noch ländlichen Idyll des Tiergartenviertels konnte von der Heydt nur drei Jahre genießen. Dann berief ihn Preußens damaliger Ministerpräsident, Otto von Bismarck, als Finanzminister. Erst 1869, fast 70-jährig, schied August von der Heydt aus der Regierung aus. Danach konnte er in seine Villa am Landwehrkanal zurückkehren, wo er auch starb. Der Politiker ist auf dem Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg in einem Ehrengrab des Landes Berlin beigesetzt. Seine Villa ist heute, nach Kriegszerstörung 1944 und Wiederaufbau, Verwaltungssitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Literatur: Christiane Kruse, Wer lebte wo in Berlin, München London New York 2001.

Karen Noetzel / KEN
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