Kältezentrale kühlt den gesamten Potsdamer Platz

Er ist der Mister Cool vom Potsdamer Platz: Vattenfall-Produktionsleiter Gerhard Plambeck ist der Chef von Mittes Kühlfabrik. (Foto: Dirk Jericho)

Tiergarten. Am 15. Mai wurde eine drei Tonnen schwere Kältepumpe für das neue Einkaufszentrum am Leipziger Platz Nummer 12 in den Rohbaukeller gehievt. Das neue Center hängt demnächst am größten Fernkältenetz Deutschlands.

Er ist nicht Mister Cool, weil er Journalisten, Managern oder Energie- und Umweltministern aus der ganzen Welt gleichermaßen unaufgeregt bei Führungen seinen Arbeitsplatz erklärt. Gerhard Plambeck ist Mister Cool, weil seine Monstermaschinen dafür sorgen, dass den Leuten in den Büros, Wohnungen, Hotels oder Einkaufszentren rund um den Potsdamer und Leipziger Platz nicht der Schweiß von der Nase tropft. Plambeck ist Chef der Kältezentrale, die Vattenfall seit 1996 an der Stresemannstraße 120 gleich neben dem Abgeordnetenhaus betreibt. Eine gigantische Kühlfabrik, die fast alle Gebäude rund um den Potsdamer Platz mit Fernkälte versorgt. Dafür dröhnen 13 LKW-große Kältemaschinen in dem fensterlosen Bau, dazu etliche Pumpen und überall dicke grüne Rohrleitungen.

Das hier erzeugte kalte Wasser wird über ein zwölf Kilometer langes Kältenetz unterirdisch zu den Kunden gepumpt. Ständig musste Mittes Megakühlschrank seit Inbetriebnahme erweitert werden, weil immer neue Gebäude gekühlt werden wollen. Derzeit werden die Staatsbibliothek, das Kulturforum, die Philharmonie und das neue Einkaufszentrum an die Kältefabrik angeschlossen.

Vattenfall sorgt dann für angenehme Temperaturen auf mehr als einer Million Quadratmeter Geschossfläche. 44 Megawatt beträgt die Kälteleistung, die überwiegend mit Absorptionskältemaschinen erzeugt wird. Dazu wird 95 Grad heißes Fernwärmewasser aus dem Heizkraftwerk Mitte in die Kühlzentrale gepumpt. Die Eismonster machen daraus in einem chemischen Verfahren kaltes Wasser.

Es gibt aber auch Kompressionskältemaschinen, die mit Strom betrieben werden. Diese Kühlaggregate entsprechen weitgehend dem Prinzip von Kühlschränken. In riesigen Kühltürmen - der achte und letzte Kühlturm geht im Juni ans Netz - wird das Wasser runtergekühlt, das sich beim Kühlen der Eismaschinen erhitzt hat. In den haushohen Kühltürme wird das Wasser zum Abkühlen verrieselt. Gleichzeitig saugen Riesenventilatoren mit neun Metern Durchmesser Luft von draußen an, die den Wasservorhang kühlt. Auch das Fernkältewasser, das mit sechs Grad zu den Kunden gepumpt und nach Nutzung erwärmt mit rund 12 Grad über den geschlossen Kreislauf zurück in die Kältezentrale läuft, muss wieder gekühlt werden.

Plambeck versichert, dass seine Kältefabrik nicht ausfällt und auch jetzt im Sommer bei Volllast sicher funktioniert. Für den technischen Notfall sind die Systeme redundant gesichert.

Nur im Winter wird es ruhiger in der Stresemannstraße. Dann sind fast alle Maschinen aus und die Kältezentrale prodziert lediglich 1,5 Megawatt Kälteleistung für Serverräume oder medizinische Einrichtungen. Winter ist die Zeit, in der die Vattenfall-Techniker bei Wartungsarbeiten schwitzen.


Dirk Jericho / DJ
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