Asbestgefahr in der Schießanlage Wannsee

Bereits 2015 wurden die Schießstände der Polizei bei der Deva in Wannsee kurzzeitig geschlossen. Eine Asbestbehandlung war notwendig. Jetzt besteht erneut der Verdacht auf Schadstoffe. (Foto: GdP)
Berlin: DEVA |

Wannsee. Wegen des Verdachts auf Schadstoffe erließ Polizeipräsident Klaus Kandt Ende April ein vorübergehendes Nutzungsverbot für Schießbahnen in der Schießanlage Wannsee und setzte eine Task Force ein. Sie soll schnellstmöglich Aufklärung bringen. Bisher ist allerdings nicht viel geschehen.

Die Polizei hatte die Bahnen beim privaten Betreiber Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen (Deva) am Stahnsdorfer Damm gemietet. Die Schließung der 20 Schießbahnen ist nur ein – vorläufiger – Schlusspunkt unter ein seit Jahren bestehendes Problem. Von ursprünglich 73 Schießbahnen berlinweit wurden nach und nach fast alle geschlossen. Derzeit sind gerade noch elf in Betrieb. Bei den geschlossenen besteht unter anderem der Verdacht auf Asbest und das krebserregende Halbmetall Antimon. Es wird beim Schießen freigesetzt – eine Gesundheitsgefahr bei unzureichender Belüftung. Und bei den meisten Anlagen ist die Be- und Entlüftung nicht ausreichend.

In Wannsee besteht Asbestverdacht. Man erwäge einen vorsorglichen Materialaustausch, hieß es bei der Pressestelle der Polizei auf Nachfrage. Bei der Deva wird indessen weitergeschossen, wenn auch nicht von der Polizei. Man sei mit dem Betreiber im Gespräch bezüglich einer etwaigen künftigen Nutzung. Auf Anfrage der Berliner Woche, wie es mit der Gesundheitsgefährdung der anderen Nutzer aussehe, gab es trotz mehrerer Versuche keine Antwort von der Deva.

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), fragt sich, warum erst jetzt etwas passiert. „Die ersten Schließungen liegen bereits mehr als ein Jahrzehnt zurück.“ Bei den Anlagen, meist aus den 1970er und 1980er Jahren, sei nicht klar, was in den Baustoffen schlummere.

Die GdP fordert, dass den Betroffenen schnellstmöglich Antworten vorgelegt werden und sie ausführlich betreut werden. Es bedürfe einer lückenlosen Aufklärung sowie der Übernahme sämtlicher Arztkosten.

Mehr als 100 Dienstunfallanzeigen im Zusammenhang mit dem Schießtraining wurden inzwischen gestellt. Das Problem dabei: „Der Vorfall, der zu einer Dienstunfallanzeige führt, muss ein plötzlich auftretendes Phänomen sein“, erläutert Jendro. „Die Belastung auf den Schießständen kam aber nicht plötzlich, sie liegt teilweise Jahre zurück.“ Letztendlich bringe eine Dienstunfallanzeige also nichts. Untersuchungen von bereits erkrankten Beamten und solchen, bei denen es Indizien für eine Gefährdung gibt, sind angelaufen. Bei einigen wurden bereits erhöhte Antimon-Werte im Blut festgestellt.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin. „Eine vom Innensenator versprochene externe Kommission existiert aber immer noch nicht“, sagt Jendro.

Neben der Gesundheitsgefährdung gibt es ein Sicherheitsproblem. Die rund 17 000 Berliner Polizisten müssen einmal im Jahr zum Schießtraining. „Geschieht dies nicht, müssen sie laut den bestehenden Richtlinien ihre Waffe abgeben“, erklärt Jendro. Daher werden auch Lasersimulationsanlagen genutzt – was einem richtigen Training jedoch nicht entspricht und laut GdP-Sprecher nicht mal eine Übergangslösung sein kann. Jetzt wird Ersatz gesucht – im Umland. uma
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