"Malweiber"-Ausstellung in der Liebermann-Villa

Julie Wolfthorn: Das alte Restaurant im Stadtpark Steglitz, ohne Jahresangabe. (Foto: Jüdisches Museum Berlin)
Berlin: Liebermann-Villa |

Wannsee. Vier Künstlerinnen der Berliner Secession stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung der Liebermann-Villa am Wannsee. In „Frauen der Berliner Secession II“ sind die Werke von Julie Wolfthorn, Charlotte Berend-Corinth, Maria Slavona und Augusta von Zitzewitz zu sehen.

Ende des 19. Jahrhunderts war die künstlerische Betätigung für viele Frauen ein Ausdruck der Emanzipation. Der Zugang zu Kunstakademien war ihnen noch verwehrt. Ihre Studien absolvierten sie in Privatschulen oder im Ausland. In der Öffentlichkeit wurden sie oft herabwerten als „Malweiber“ bezeichnet. Erst Ende der 60er-Jahre begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit einzelnen Künstlerinnen. Ihre Werke sind bisher nur in wenigen Ausstellungen gezeigt worden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Bildern Julie Wolfthorns (1864-1944). Sie war Mitbegründerin der Berliner Secession und setzte sich für die Belange von Künstlerinnen ein. Ihre Frauenporträts zeigen einen modernen Typ Frau, selbstbewusst und aus den gängigen Konventionen befreit. Wolfthorn stammte aus einer jüdischen Familie. 1942, im Alter von 78 Jahren, wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie zwei Jahre später starb. Ein erheblicher Teil ihres Gesamtwerks wurde in der Folge zerstört oder gilt als verschollen.

Charlotte Berend-Corinth (1880-1967), verheiratet mit dem Maler Lovis Corinth, wurde durch ihre Landschafts- und Porträtbilder, wie zum Beispiel das Porträt des Schauspielers Max Pallenberg. Sie flüchtete 1939 vor den Nationalsozialisten über die Schweiz in die USA.

Augusta von Zitzewitz (1880-1960) porträtierte neben ihrer Tochter Ilse vorwiegend befreundete Künstler, darunter Claire Waldoff, Rainer Maria Rilke und Gottfried Benn. 1933 wurde sie von den Nazis mit Ausstellungsverbot belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie ihren Beruf aus Malerin wieder auf, gehörte zur Berliner Kunstszene.

Maria Slavona (1865-1931) lebte lange Jahre in Paris, wo sie an großen Ausstellungen teilnahm. In ihrem Haus in Paris trafen sich bekannte Künstler, darunter Max Liebermann und Edvard Munch. 1901 kehrte sie nach Deutschland zurück, 1909 nach Berlin. Ihre Werke waren auf Ausstellungen der Berliner Secession zu sehen.

„Frauen der Berliner Secesssion II“ in der Liebemann-Villa, Colomierstraße 3, ist bis zum 29. Februar 2016 täglich außer dienstags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt kostet sechs, ermäßigt vier Euro. Kartentelefon: 80 58 59 00, info@lieberman-villa.de, www.lieberman-villa.de.

Insgesamt gibt es in Berlin und im Umland bis zum Frühjahr 2016 sechs Ausstellungen zum Thema Berliner Secession. Mehr dazu unter: www. berliner-secession.de.
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