Villa am Sandwerder 5 ist das Denkmal des Monats Januar

Robert Guthmann ließ das prächtige Gebäude am Wannseeufer für seine tuberkulosekranke Frau bauen. (Foto: Schilp)
Berlin: Literarisches Colloquium |

Wannsee. „Turm und Giebel sind überinstrumentiert. Bescheidenheit wäre das letzte Wort, das diese Villa bezeichnen könnte. Dies einmal akzeptiert, ist das Haus überzeugend" – so beschrieb der berühmte Lichterfelder Architekturkritiker Julius Posener das Gebäude mit der Adresse Am Sandwerder 5. Das Bezirksamt hat es nun zum Denkmal des Monats gekürt.

Erbaut wurde die Villa von Robert Guthmann. An Geld mangelte es ihm nicht: 1883 hatte er in Rüdersdorf eine Zementfabrik gegründet; später war er Eigentümer der damals größten Kalksandsteinfabrik der Welt, die in der Nähe von Königs Wusterhausen lag.

Der Unternehmer ließ das prächtige Gebäude für seine tuberkulosekranke Frau Marie bauen, die sich hier sehr wohl fühlte. Vorbild waren die vornehmen Bürgerhäuser rund um den Kurfürstendamm. Schon der Entwurf für den ersten Bauabschnitt (1884–1885) stammte höchstwahrscheinlich von Joseph Kayser und Karl von Groszheim, beides äußerst renommierte Architekten. Ganz deutlich wurde deren Handschrift, als Guthmann 13 Jahre später das Haus nach Süden hin erweiterte – samt eines Anbaus mit Innenhof, Gartenhalle, Pavillon und einem Wirtschaftsgebäude.

Einzigartig ist zum Beispiel der quadratische Turm mit einer Aussichtsterrasse, über der sich eine luftige Säulenloggia erhebt. Hier wurden zwei Motive – das für die Architekten typische vieleckige Turmgeschoss mit Glockendach und Laterne sowie das in Potsdam übliche offene Turmgeschoss – vereinigt.

Vieles der Pracht im Gebäudeinneren ist Marie Guthmann zu verdanken. Sie beschäftigte sich gerne mit dem Schmücken der Villa, insbesondere ihres liebsten Aufenthaltortes, der Seeveranda. Sie zeichnete zum Beispiel florale Arabesken, die ihre Künstlerinnenfreundin Marie Luise Schlieder in Wandfliesen und Schablonenmalerei umsetzte und die noch heute in der Veranda und im Eingangsfoyer zu sehen sind.

Man traf sich bei Guthmanns mit prominenten Nachbarn, den von Oppenheims, Wessels, Otzens und Gutschows und pflegte das gesellschaftliche Leben des Berliner Großbürgertums. Bei ihnen verkehrten Banker, Industrielle und Künstler. Als 1898 die Villenkolonien Alsen und Wannsee mit Stolpe zu einer Landgemeinde zusammengeschlossen wurden, ließ sich Robert Guthmann zum Gemeindevorsteher wählen. Nicht zuletzt, um der weiteren Ansiedlung von Ausflugsgaststätten entgegenzuwirken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die US-Alliierten die Villa am Wannsee eine Zeitlang als Hotel. Im Jahr 1960 fiel sie in das Eigentum des Landes Berlin, das sie wenig später dem Literarischen Colloquium überließ. In den letzten zwei Jahren wurde das Innere und Äußere der ehemaligen Villa denkmalgerecht saniert. sus

Mehr Informationen unter http://asurl.de/12uk.
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