Golfer schlagen auch im Winter ihre Bälle am Wannsee

Wannsee. Der Golf- und Landclub 1895 hat schon viele Sieger hervorgebracht. Der älteste Golf-Verein Deutschlands im Südwesten der Hauptstadt hat für seine Jugendarbeit schon so manche Auszeichnung gewonnen.

Wer glaubt, bei Eis und Schnee sei Am Golfweg 22 nichts los, der irrt. Auf dem 60 Hektar großen Clubgelände wird auch in der Adventszeit Spielen abgeschlagen und eingelocht. "Wir spielen 365 Tage im Jahr", sagt Yasin Turhal. Der 35-Jährige führt seit 2010 die Geschäfte des Wannseer Vereins. "Es gibt Verrückte, die auch bei Schnee Golf spielen", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Und er beugt gleich dem "Vorurteil" vor, Golf sei etwas für wohlhabende Pensionäre. "Seit Martin Kaymer und Tiger Woods hat sich dieser Sport verändert - und zwar auch in Richtung Breitensport."Im gemeinnützigen Golf- und Landclub spiele heute der Polizist mit dem Milliardär, so Turhal, "ein Querschnitt der Bevölkerung." Jugendliche zahlen nach seinen Angaben weniger als die 1600 Euro Jahresbeitrag. Etwa 250 der 1700 Mitglieder seien unter 18 Jahre alt, etwa 65 Prozent der Mitglieder männlich. Ziel sei es, Mannschaftsspieler aufzubauen, sagt der Betriebswirt. Die sechs Jugend-, sowie eine Damen- und eine Herrenmannschaft spielten alle in der Bundesliga. Das Seniorenteam ist laut Turhal sogar amtierender deutscher Meister.

Stolz verweist er darauf, dass die Berliner Landgolfer bereits mehrfach vom Deutschen Golf-Verband für ihre Jugendförderung ausgezeichnet wurden. Sieben Golflehrer trainieren die Anfänger beim Golf- und Landclub, darunter eines der erfolgreichsten Nachwuchstalente wie die 23-jährige Lara Katzy. Sie trete als Nationalspielerin selbstbewusst mit dem Wannsee-Wappen bei Internationalen Meisterschaften an.

Beim Golf kommt es nach den Worten des Experten auf die Kombination von Hand und Augen an. So treffen etwa frühere Tennispieler in der Regel gut. Die jüngsten Golfbegeisterten sind nur drei Jahre alt. Sie trainierten zunächst mit dem Hockeyschläger, bevor sie das erste "Eisen" in die Hand nehmen. Zum bald 120-jährigen Golfclub, der 30 Menschen beschäftigt, gehört neben einem exklusiven Clubhaus "für die Pflege gesellschaftlicher und geschäftlicher Kontakte" mit Ledersesseln und Kamin auch ein Restaurant. Zum Neujahrsempfang im Februar laden die Golfer prominente Redner ein - wie 2012 Philipp Rösler. Aber auch Reichstagsumhüller Cristo oder Angela Merkel wurden hier gesehen.

Noch ist die Exklusivität der Golfer erkennbar. Für sieben verschiedene Eisen, Bälle, Kleidung, Wagen und Regelbuch kommt der Käufer leicht auf 5000 Euro, wie ein Blick in den anliegenden Golf-Shop zeigt. Einer der typischen Golfer, die an diesem kalten Dezembermorgen auf dem "Drive Range" die Bälle in den Schnee schlagen, ist Michael Martin, 70. Der promovierte Ingenieur "golft" seit 2005: "Im Sommer ist es ein Traum, und man kann es bis ins hohe Alter spielen."


Martinus Schmidt / mst
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