"Mutter Fourage" vereint Kunst und Küche

Der frühere Schauspieler am Grips-Theater, Wolfgang Immenhausen (69), war 1978 Mitbegünder des "Mutter Fourage" in Stolpe. (Foto: M. Schmidt)

Wannsee. Am Anfang standen der Umweltgedanke und eine leere Scheune. Ende der 70er-Jahre wollten drei Berliner Pioniere Kunst und Ökologie verbinden. Heute im 35. Jahr ihres Bestehens zieht es Berliner aus allen Stadtteilen in die "Galerie und Scheune Mutter Fourage" in Stolpe.

Stolpe ist ein altes Dorf an der Chausseestraße nach Kohlhasenbrück. Berlin ist hier ländlich und war es erst recht, als das Land um die Mauerstadt herum für West-Berliner nicht zugänglich war. 1978 wagten zwei Theaterleute und ein Kaufmann dort etwas Neues: Wolfgang Immenhausen und Stefan Reisner vom Gripstheater sowie der Kaufmann Lutz Peters. Auf dem Hof der Futtermittelhandlung Wilhelm Hönecke gegenüber dem Stadion Wannsee richteten die drei ein Kunstzentrum mit anliegender ökologischer Speisewirtschaft ein, das Mutter Fourage. "Wir wollten in der Welt der Gifte ökologisches Denken verbreiten und Gärtnern ohne Kunstdünger oder Pestizide propagieren", erzählt Immenhausen, heute Alleininhaber des Hofs. Ökologie war damals noch ein fast unbekanntes Wort. Es gab nur wenige Bioläden und diese boten schrumpelige Früchte für teures Geld.

Heute finden in der riesigen Scheune von April bis September Konzerte und Lesungen statt. Auch die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker, die Berliner Hymnentafel und der Jazzer Aki Takase waren schon da. Der 69-jährige frühere Schauspieler am Grips-Theater ist nicht nur der Organisator der Dorf-Kulturereignisse, sondern liest auch selbst auf der Bühne - wie demnächst wieder "Texte für Kinder und junge gebliebene Erwachsene" seines Anfang 2012 verstorbenen Kollegen Stefan Reisner.

Die 1924 nach einem Brand wiederaufgebaute Scheune selbst ist bereits eine architektonische Meisterleistung. Immenhausens Großvater lagerte hier einst Futtermittel für Pferde sowie Getreide und Kartoffeln. Das gewölbte Dach mit rautenförmigen Streben nach der Konstruktion von Friedrich Zollinger kommt ohne Dachstuhl aus. Wenn es im Herbst dort zu kalt für Versammlungen wird, weichen die Künstler in die geheizte Galerie nebenan aus, wo monatlich neue Ausstellungen laufen.

Das Angebot von Kunstgewerbe, Pflanzen und Terrakotta-Gefäßen haben "Mutter Fourage" zu einer "Mini-Domäne Stolpe" gemacht. Neben der Bildhauerwerkstatt von Simone Elsing und Friederike zu Rantzaus Bilderrahmenladen lockt ein besonders an sonnigen Wochenenden beliebtes Hofcafé mit einheimischer und mediterraner Feinkost und Weinen.


Martinus Schmidt / mst
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden