Wechsel an der Spitze des "Hauses der Wannseekonferenz"

Der alte und der in Kürze neue Chef der Gedenkstätte: Hans-Christian Jasch (rechts) folgt im Mai auf Norbert Kampe. (Foto: M. Schmidt)

Wannsee. Die Gedenkstätte "Haus der Wannseekonferenz" (GHWK) steht vor großen Veränderungen. Nach 18 Jahren an der Spitze wird Norbert Kampe im Mai Hans-Christian Jasch die Leitung des Hauses übergeben.

Mit der Berufung des 41-jährigen Juristen und Rechtshistorikers steht nicht nur ein personeller Wechsel bevor. Jasch, der über den Konferenzteilnehmer Wilhelm Stuckart promovierte, will nach eigenen Worten "Wannsee weiterentwickeln zu einem Ort der Reflexion und Sensibilisierung" der Tätigkeit früherer Funktionseliten. Die GHWK ist das bedeutendste Erinnerungshaus an NS-Verbrechen im Bezirk und eines der wichtigsten in Berlin. Der scheidende Leiter Kampe hat nach eigenen Worten "in 18 Jahren die Auseinandersetzung mit diesem Ort zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht."

In der Villa am Großen Wannsee 56/58 beschlossen am 20. Januar 1942 auf Einladung des SD-Chefs Reinhard Heydrich 15 führende Regierungsfunktionäre die Ermordung der Juden im von Deutschen besetzten Europa. Es war der einzige Tagesordnungspunkt der "Staatssekretärsbesprechung mit anschließendem Frühstück." Vor 22 Jahren richtete das Land Berlin die geschichtsträchtige Villa als Gedenk- und Bildungsstätte ein. Damals beteiligte sich auch der Bund erstmals an einer solchen Einrichtung.

Der künftige Direktor Jasch war als Zivildienstleistender für Aktion Sühnezeichen in Belgien aktiv. Bis 2011 arbeitete bei der Europäischen Kommission in Brüssel, bevor er wieder im Bundesinnenministerium war. Am Wannsee will er verstärkt Seminare und Studientage zur berufsgeschichtlichen Entwicklung und Ethik von Juristen abhalten.

Der gebürtige Berliner möchte künftig "europäisches Gedenken" pflegen und die Geschichte der Funktionseliten in die Öffentlichkeit rücken. Bis heute fehle das Bewusstsein über das Fortwirken der "furchtbaren Juristen" nach dem Kriege.

"Es gab keinen personellen Bruch in Justiz und Verwaltung", sagt Jasch. "Erst Mitte der 70er-Jahre kam der Generationswechsel zustande, nachdem die alten Juristen pensioniert waren."

Mehr als 100 000 Menschen im Jahr besuchen die GHWK, davon 51 Prozent aus dem Ausland.


Martinus Schmidt / mst
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