Der Streit um die Champions League – Ist die Superliga durch die UEFA-Reform noch aufzuhalten?

Spielen Bellerín (FC Arsenal/links) und Douglas Costa (FC Bayern/rechts) bald in ihrer eigenen Liga? Foto: Mitch Gunn – 330602744 / Shutterstock.com
 
Ab 2018 stellen die vier Top-Ligen Deutschland, Italien, England und Spanien die Hälfte der 32 Teams. Foto: Vlad1988 – 389117878 / Shutterstock.com
 
Celtic-Fans in Barcelona: 2012 schlugen die Schotten die katalanische Weltauswahl in einer der größten Champions League Sensationen. Foto: Maxisport – 39320122 / Shutterstock.com

In Europa geht die Angst vor der Superliga um. Die Schwergewichte, wie der FC Bayern oder Real Madrid könnten sich mit einer eigenen Eliteklasse ihren großen Namen versilbern. Durch weltweite Vermarktung könnten sie noch reicher werden als bisher. Für die UEFA Champions League wäre das, das Aus – die UEFA hat ihre Königsklasse deswegen nun reformiert. Leidtragende sind die kleinen Ligen.

Mitte nächster Woche steht der zweite Spieltag der Champions League Gruppenphase an. Doch hinter den Kulissen des Wettbewerbs rumort es derzeit gewaltig. Die Spitzenklubs wie der FC Bayern oder Real Madrid denken inzwischen laut an eine europäische Superliga, um noch mehr Geld verdienen zu können. Das böte für die Topklubs viele Vorteile – vor allem wirtschaftlicher Natur – wäre für die Champions League der UEFA in ihrer derzeitigen Form aber das Aus.

Superliga? Dann lieber eine Reform! UEFA schenkt den Top-Ligen mehr Startplätze

Während die Großen und Reichen sich in einer Superliga weltweit vermarkten könnten, um noch reicher zu werden, würde die Champions League ganz gewaltig an Reiz verlieren. Kein Real Madrid, kein FC Barcelona, kein FC Bayern? Die „Königsklasse“ würde zu einer besseren Europa League verkommen. Um den Ausstieg der Großen zu verhindern, reformiert die UEFA nun den Wettbewerb. Ab der Saison 2018/19 haben die vier Top-Ligen (Deutschland, England, Spanien, Italien) jeweils vier garantierte Startplätze. Damit entstammen 16 den Top-Ligen – das entspricht der Hälfte aller Teams. Diese Regelung gilt dann erst einmal für drei Jahre.

Gerade Teams wie die Berliner Hertha profitieren von dieser Veränderung. Schließlich ist dann auch der Bundesliga-Vierte startberechtigt, ohne sich durch die Qualifikation quälen zu müssen – und ohne dass die Bundesliga sich in der Fünfjahreswertung noch gegen Italien behaupten muss. Die Italiener haben momentan als Vierter der Rangliste nur zwei Plätze sicher, der Dritte der Serie A muss in die Qualifikation. Herthas neuer Hauptsponsor Bet at home würde es sicher gerne sehen, wenn die „alte Dame“ auch mal in der Königsklasse dabei wäre. Zuletzt scheiterten die Jungs von Pal Dardei als Bundesliga-Siebter in der Qualifikation zur Europa League.

Die UEFA-Fünfjahreswertung (Stand: 10. Juni 2016)

Land/Saison--- 2011/12- 2012/13- 2013/14- 2014/15- 2015/16- Gesamt

1. Spanien------- 20.857--- 17.714--- 23.000--- 20.214--- 23.928--- 105.713
2. Deutschland 15.250--- 17.928--- 14.714--- 15.857--- 16.428--- 80.177
3. England------- 15.250--- 16.428--- 16.785--- 13.571--- 14.250--- 76.284
4. Italien--------- 11.357--- 14.416--- 14.166--- 19.000--- 11.500--- 70.439
5. Portugal------ 11.833--- 11.750--- 9.916--- 9.083--- 10.500--- 53.082

Auch Mannschaften wie Leverkusen oder Gladbach, die in den letzten Jahren oft in die mühsame Qualifikation mussten, freuen sich über die Reform der Eliteklasse. Doch nicht für alle Vereine ist das Modell schön. Der niederländische Traditionsklub Ajax Amsterdam etwa, immerhin vierfacher Champions-League-Sieger, hat es in diesem Jahr schon nicht geschafft. In der Liga wurde man nur Zweiter hinter der PSV Eindhoven, in den Play-Offs zur Gruppenphase scheiterte man an Bayerns Gruppengegner FK Rostow. Für Vereine wie Ajax, die aus schwächeren Ligen kommen, wird es ab 2018 dann noch schwieriger, dabei zu sein.

Philipp Lahm: „Bayern-Real im Halbfinale ist reizvoller als zwölf geplante Duelle“


Bayern-Kapitän Philipp Lahm findet das schade: „Es muss die Chance gegeben sein, dass diese Mannschaften dabei sein können“, sagt er in Bezug auf den niederländischen Rekordmeister. Auch eine Eliteliga lehnt der Ex-Nationalspieler entschieden ab. „Es ist interessanter, wenn Bayern in zwei Spielen im Halbfinale auf Real Madrid trifft, als wenn es zehn oder zwölf geplante Duelle gibt,“ argumentiert Lahm. Und trifft damit einen Nerv, den die Funktionäre der Topklubs möglicherweise nicht bedenken. Für die Fans sind diese Spiele die Jahreshighlights, die das Saisonende so besonders machen. Würde es dem Aufeinandertreffen der ganz Großen nicht den Reiz nehmen, wenn es sie mehrmals im Jahr geben würde? Und gerade die Aufeinandertreffen der Marke „David gegen Goliath“ sind doch für Fußballfreunde, und besonders die, die gerne auch einmal wetten, besonders reizvoll. Man erinnere sich nur an das unvergessene Spiel Celtic Glasgow gegen FC Barcelona 2012, als die unbändig kämpfenden Schotten die übermächtige Weltelf aus Katalonien mit 2:1 besiegten. Trotz 5:25 Torschüssen.

Die Realität des Jahres 2016 sieht allerdings – zugegeben – etwas anders aus. Wieder trafen Celtic und Barcelona aufeinander, diesmal machten der spanische mit dem schottischen Meister allerdings kurzen Prozess. Am Ende stand da ein 7:0. Auf den anderen Plätzen besiegte etwa der FC Bayern den russischen Vertreter Rostow mit 5:0 oder Borussia Dortmund Legia Warschau mit 6:0. Wo ist die Spannung nur geblieben, fragten sich da so manch einer? Und schon werden die Rufe nach einer Superliga wieder laut. Schließlich wären die Wettbewerbe dann vielleicht wenigstens wieder spannend.

Greencards von der UEFA noch abgelehnt – Macht Ceferin die Rolle rückwärts?

So oder ähnlich argumentieren auch die Topklubs. Für sie böte eine eigene Eliteliga auch den zusätzlichen Vorteil, dass man sich nicht Jahr für Jahr mühsam dafür qualifizieren müsste – was die nationalen Ligen natürlich abwerten würde. Die Einnahmen, die in Asien, den USA oder Australien zu generieren wären, würden die Großen wohl über den Unmut einiger traditionsbewusster Fans an der Basis hinwegsehen lassen. Dass der Markt dafür da wäre, zeigt den Bossen seit ein paar Jahren der Champions-Cup – ein Vorbereitungs-Turnier, bei dem sich die großen Namen wie Manchester United, Real Madrid oder FC Bayern in Testspielen messen. Gespielt wird in Fernost oder Übersee – eben da, wo der Fußball-Markt noch am meisten Wachstumspotential zeigt. Schon für die aktuelle Champions League Reform waren Greencards im Gespräch, um Klubs wie etwa ManUnited, das es über die Liga zuletzt nicht schaffte, die Teilnahme zu garantieren. Das, und der Vorschlag einiger Topklubs, die Champions League auf 24 Klubs zu reduzieren, um für mehr Spannung zu sorgen, wurde vorerst noch abgelehnt.

Bei der UEFA selbst gibt es mittlerweile auch kritische Stimmen. Der neugewählte Präsident Aleksander Ceferin überraschte zuletzt mit der Aussage, er wisse, dass es „nicht gut für die kleinen und mittleren Verbände ist.“ Der Slowene stellte sogar in Aussicht, die vom Exekutiv-Komitee der UEFA bereits beschlossene Reform ab 2018/19 noch einmal zurückzunehmen: „Ich muss mir die Vor- und Nachteile genau anschauen. Dementsprechend werde ich reagieren, alles kann auch wieder geändert werden.“ Politische Durchhalteparolen in Richtung der kleineren Verbände oder eine ernsthafte Überlegung des Präsidenten?

Auf Dauer wird wohl auch er den Kampf mit den europäischen Schwergewichten nicht führen wollen. Eine Elite-Liga bleibt bestimmt auch nach 2018 noch im Gespräch. Ein anderer, idealistischerer Vorschlag ist der der Europa-Liga, die das Ende der nationalen Wettbewerbe bedeuten würde. Eine solche Variante mit sportlich geregeltem Auf- und Abstieg ist für die Weltklubs aber wohl kaum denkbar. Bei ihnen gilt das Credo: Geld regiert die Fußball-Welt.


Fotoquellen:

Mitch Gunn – 330602744 / Shutterstock.com
Vlad1988 – 389117878 / Shutterstock.com
Maxisport – 39320122 / Shutterstock.com
Fingerhut – 103227842/Shutterstock.com
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.